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Das Gotteshaus - Die evangelische Pfarrkirche zu Datterode

(Zu den neuesten Entwicklungen rund um das Gotteshaus siehe "Neues vom Gotteshaus"!)

Die evangelische Pfarrkirche zu Datterode gehört zu den ältesten und zugleich interessantesten Kirchen im Werra-Meißner-Kreis. Besondere Beachtung dürfen das romanische Langhaus mit den hochgelegenen Rundbogenfenstern. der älteste Teil der Kirche, aber auch die 1959-1962 freigelegte spätmittelalterliche Ausmalung von Chor und Kirchenschiff beanspruchen.1188 wird eine Kapelle in Datterode genannt, die Pfarrei war mit der Kapelle auf der Boyneburg verbunden. Ein Pfarrer wird erstmalig 1353 genannt. Das Patronat wechselte mehrfach zwischen den Grundherren und dem Landgrafen, letzterer übte es seit dem späten 16. Jahrhundert allein aus. Die Kirche liegt quer auf einem Sporn in höchster Lage über dem alten Ortskern. Von einer mittelal­terlichen Kirchhofsmauer haben sich keine Reste erhalten.

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Links die Kirche aus Richtung Norden in den 1950er Jahren; rechts aus Richtung Süden im Jahre 2000

Bestand
Das Kirchengebäude ist eine noch mittelalterliche Anlage, bestehend aus einem romanischen Schiff, dem nachträglich (?) ein querrechteckiger Westturm vorgesetzt wurde; der polygonal geschlossene Chor entstand im Spätmittelalter. Der schlanke Turmkubus, der einschließlich des Schrägensockels 6,10 m : 7,60 m im Grundriss misst und bis zum Traufengesims (Hohlkehlgesims) 16,50 m hoch ist, hat eine Gesamthöhe - einschließlich des Turmhelms - von ca. 20,50 m. Das Mauerwerk. das erst gelegentlich der letzten Außenrenovierung 1986 vom alten Putz befreit wurde, setzt sich aus einem kleinformatigen Bruchsteinmauerwerk mit großen Werksteinen im Eckver­band zusammen. Es ist in der Turmhalle 1,80 m (Südwand) stark und verjüngt sich nach oben auf 1,15 m. An der Südseite liegt der 1962 gebrochene Außenzug, darüber befindet sich eine schmale Schlitzscharte mit Lanzettbogenschluss.

Ebenfalls an der Südseite zeigt sich eine Schlitzscharte in Höhe des 2. Obergeschosses und in Höhe des 3. Obergeschosses eine solche mit Lanzettbogenschluss. Das 4. Obergeschoss weist nach allen vier Seiten je ein Paar gekuppelter Spitzbogenfenster auf. Der Turm­helm ist ein schlanker, vierseitiger Pyramidenstumpf mit aufgesetzter achteckiger Laterne. Die Turmhalle (3,10 m : 4,30 m; 2,55 m Höhe), die von einer Quertonne überwölbt wird, war bis 1962 nur vom Schiff aus zu betreten. Nach Osten öffnet sie sich mit einem ungegliederten Rundbogen aus Werksteinen (2,28 m hoch, 2,50 m breit und 1,48 m tief) zum Schiff. Anzeichen für einen Verschluss der Öffnung sind nicht vorhanden. Die einstige Funktion dieses nur spärlich vom Schiff aus erhellten Raumes ist noch nicht geklärt.

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Verschlossener Zugang Turm zum Schiff

Der ursprüngliche Zugang in die Obergeschosse, der 1962 aufgegeben und durch einen neuen Durchbruch an der Südwand ersetzt wurde, lag in der Westwand des Kir­chenschiffs, ca. 3,50 m über dem Boden. Hier führte eine Spitzbogenpforte (2 m hoch, 0,82 m breit) mit einem Gewände aus Werksteinen (roter Buntsandstein) durch eine breite, sich zum Turminneren leicht weitende Segmentbogennische (ca. 2,15 m hoch, 1,15 m tief) in das 1. Obergeschoss. Im rechten Nischengewände hat sich eine Zugnute für einen Klemmriegelverschluss erhalten, an der gegenüberliegenden Seite ist eine entsprechende hochrechteckige flache Vertiefung im Mauerwerk zu sehen; die Pforte ließ sich also vom Turminneren aus verrammeln. Das 1. Obergeschoss (3,24 m : 4,40 m; ca. 2,60 m hoch) weist nur an der Südseite ein kleines schartenartiges Lanzenbogenfenster auf, unter dem heute der Außenzugang liegt.

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Lanzettbogenfenster

Das 2. Obergeschoss (ca. 2,70 m hoch) ruht auf einer alten Balkenlage, die aus zwei Streichbalken mit darauf sitzenden Unterzügen besteht. Der Raum empfängt lediglich durch eine Scharte mit Plattensturz an der Südseite eine spärliche Beleuchtung. Das 3. Oberge­schoss (ca. 3,80 m hoch) sitzt auf fünf in die Wände bindenden Unterzügen. Lediglich an der Südseite befindet sich ein Lanzettfenster vor einer schmalen Nische mit Plat­tensturz. Das 4. Obergeschoss (3,71 m : 4,95 m; ca. 4 m hoch) besitzt einen Boden, der - mittels Streichbalken und Unterzügen - auf je fünf Konsolsteinen aufruht. Die­ses Glockengeschoss weist an allen vier Seiten je ein Paar gekuppelter Lanzettfenster auf, die vor tiefen Wandnischen (1,20 m breit, 1,78 m hoch) sitzen; diese werden von Bohlenstürzen abgeschlossen. Lediglich an der Südseite ist wohl 1844 ein Segment­fenster gegen ein ursprünglich gekuppeltes Fenster ausgetauscht worden, um durch diese Öffnung Glocken von außen hochziehen zu können. Die Spitzbogenfenster sind 1,41 m hoch und 0,37 m breit. Balkenlöcher im Turminneren, die sich in verschiede­nen Höhenlagen befinden, deuten darauf hin, dass die Geschosseinteilung ursprüng­lich eine andere gewesen ist. Der Turm erweist sich insgesamt als eine ausgesprochen wehrhafte Anlage. Das Mauerwerk des Langhauses, das bündig an den Turm anschließt, ist durch Baufugen von diesem getrennt. Der Turmsockel bricht an der Nordwand abrupt beim Ansatz des Langhauses ab.

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Der spätgotische Chor weist ein Sockel- und ein Traufengesims (Hohlkehlgesims) auf. Das Baumaterial des Chores unterscheidet sich mit seinen großen Steinformaten von dem kleinteiligen Bruchsteinmauerwerk des Langhauses. Sämtliche Langhausfenster sind Segmentbogenfenster des 19. Jahrhunderts (1844?), die vier spätgotischen Maßwerkfenster des Chores wurden wohl 1844 des Maßwerks beraubt und in der Bogen­zone vergrößert.

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Segmentbogenfenster

Auf der Nordseite des Langhauses befinden sich in 4,40 m Höhe über den beiden gro­ßen Segmentbogenfenstern zwei rundbogige originale Fenster (außen 1,12 m hoch, innen ca. 0,59 m hoch, 0,36 m breit), die heute in den über der Brettertonne des Lang­hauses liegenden Dachraum münden. Die Gewände der Fenster weiten sich beidseitig nach innen, eines wies bis zur Renovierung des Außenbaues 1986 noch die originale Holzzarge in der Gewändemitte auf, seitdem sind beide Fenster vermauert. Das romanische Mauerwerk ist an der Nordwand in voller Höhe erhalten, auch zeigten sich bis 1986 im Bereich der erhaltenen Fenster noch beachtliche Reste originalen Wandputzes und alten Tüncheanstrichs; leider wurden diese wertvollen Befunde erst vor fünf Jahren (Anm.: 1986) zerstört.

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Vermauerte Rundbogenfenster an der Nordseite

Die Südseite ist stärker ausgebessert worden, doch zeigt sich innen ein von außen zugesetztes und hier nicht sichtbares Rundbogenfenster, das denen der Nordwand entspricht.


 

Am 12. Juli 1840 wird als Nachfolger des Pfarrers Jacobi der Pfarrer Karl Eisenberg eingeführt. Die Einführung nimmt der Superintendent Dr. theol. Schüler aus Allen­dorf vor. Rechtzeitig vorher macht er den Metropolitan Hochhuth in Eschwege darauf aufmerksam, dass die vier Pferde, auf die er als hoher Geistlicher bei feierlichen Anlässen Anspruch habe, von Datterode zu stellen seien und sich um 5.00 Uhr mor­gens vor dem Metropolitanat in Eschwege einzufinden hätten. Karl Eisenberg war ein Sohn des Pfarrers in Nesselröden, Johannes Eisenberg. Nach Studium und Exa­men in Marburg war er zunächst Hauslehrer in Markershausen, später Pfarrer in Nesselröden, wo er nicht nur das Pfarreiland, sondern zusätzlich eine angekaufte Landwirtschaft, insgesamt 100 Morgen bewirtschaftete. Mit seiner Frau hatte er zehn lebende Kinder. Durch sie gilt er als eine Art Stammvater der bis heute zahlreichen und weitverzweigten Familie Eisenberg, aus der auch besonders viele Pfarrer und Pfarrfrauen hervorgegangen sind. Weil Eisenberg sich auf die Dauer seinem Doppel­beruf nicht mehr gewachsen fühlt, übernimmt er die für ihn bequemere Pfarrstelle Datterode. Infolge mancherlei Krankheiten kann er sich in seiner neuen Stelle nicht so entfalten, wie er sich das gewünscht hatte. Schon nach drei Jahren stirbt seine Frau und lässt ihn und die zehn Kinder, von denen das Jüngste erst vier Jahre alt ist, zurück. Ende 1846 erkrankt er an Typhus, woran er am Neujahrstag 1847 verstirbt. Die von ihm sehr genau geführten Kirchenbücher lassen etwas von dem Umfang seines Dienstes erkennen. Sehr sorgfältig hat er auch die Protokolle über die Sitzungen des aus dem Pfarrer und zwei Kirchenältesten bestehenden Presbyteriums abgefasst. Diesem Gremium oblag die Einhaltung der Kirchenordnung, vor allem der zehn Gebote. Hauptverhandlungsgegenstand waren die außer- und unehelichen Schwanger­schaften, wozu sich die betroffenen Gemeindeglieder nach geschehener Vorladung persönlich einzufinden hatten, wie auch Diebstähle und Alkoholmissbrauch. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Eisenberg ein korrekter, strenger, aber auch gütiger Mensch gewesen sein muss. Auf die nach relativ kurzer Zeit freigewordene Pfarrstelle meldet sich der Pfarrer von Heisebeck, Christian Ludwig Aßmann. Als gebürtiger Sontraer mag es ihn wieder in seine engere Heimat gezogen haben. Er tritt sein Amt 1847 an und stirbt in Datterode am 15. 7. 1874. Aßmann ist der Stelleninhaber, von dem die mit Abstand größte Korrespondenz erhalten ist und in den Archiven lagert. Das hängt gewiss mit seiner recht langen Amtsperiode von insgesamt 28 Jahren zusammen, aber auch mit seiner Kränklichkeit, die ihm persönliche Besuche bei seinen Vorgesetzten, dem Metropolitan in Eschwege und dem Superintendenten in Allendorf nicht erlaubten. Von seiner Hand stammt eine 1867 verfasste Ortsbeschrei­bung, aus der mancherlei Interessantes zu ersehen ist. Über die Kirche schreibt er, dass sie „vor zwanzig Jahren repariert, trotzdem im Innern nicht ganz zweckmäßig eingerichtet“ sei. Auch sei sie im Verhältnis zur Seelenzahl, die er mit 519 angibt, dazu 6 Judenhäuser, zu klein und eng. An dieser Stelle sei hingewiesen auf Beschwer­den über die heute nicht mehr vorhandene Turmuhr (Anm.: Das Schlagwerk ist noch im Turm vorhanden. Laut landeskirchlichen Vorschriften wäre es bei Renovierung des Turmes wieder instand zu setzen), zu denen es laut eines anderen Berichts im Jahre 1873 kam. Unter der Obhut eines Elias Schafhausen ging die Tur­muhr jeden Tag vor. Der unregelmäßige Gang erklärte sich aus der Tatsache, dass Schafhausen keine eigene Uhr besaß und sich Tag für Tag erst bei Lehrer oder Pfarrer nach der Uhrzeit erkundigen musste.

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Die Reste der Turmuhr im Jahre 2008

Über das Pfarrhaus schreibt Aßmann, dass es wohl mit Gärten umgeben und sehr geräumig, doch alt und schadhaft sei, so dass bald ein Neubau notwendig werde. Nach einigen Feststellungen über die wirtschaftli­che und berufliche Situation macht Aßmann in seiner Beschreibung einen Unterschied zwischen den Familien, deren kirchliches Verhalten er als lobenswert bezeichnet und anderen, die sich nicht an die kirchliche Ordnung halten. Statt häufiger in den Gottesdienst zu kommen, missbrauchten diese den Sonntag zu „träger Ruhe, sündlichen Lustbarkeiten und verbotenen Arbeiten“. In seine Ortsbeschreibung hat Aßmann auch eine Aufstellung der Gebühren für Amtshandlungen hineingenommen, die ja neben den Erträgen aus selbstbewirtschafteten und verpachteten Grundstücken zu den Grundlagen einer Besoldung gehörten. Taufe: 10 Silbergroschen vom Vater, 7 Silber­groschen vom Paten; Konfirmation: 13 Silbergroschen und 3 Obststämmchen; Kopu­lation: 1 Taler, Schnupftuch, 4 Ellen schwarzes Seidenband; Beerdigung: 1 Taler; Neujahrsgeld: 1 Silbergroschen.

Als Pfarrer gehörte Aßmann nach einer Beurteilung durch den Metropolitan Gonner­mann in Eschwege zu den tüchtigsten und treuesten Dienern der Kirche, der sich durch wissenschaftliche Bildung hervortat und einen musterhaften Lebenswandel führte. Später erkrankt er an Epilepsie, zwei seiner vier Söhne werden geisteskrank und die einzige Tochter schwer depressiv. Die periodisch auftretenden epileptischen Anfälle machten die Zuordnung eines Pfarrgehilfen notwendig. Zahllos sind Aßmanns Gesuche um finanzielle Unterstützung. Darin schildert er mit bewegten Worten seine Notlage, er selbst krank, vier Söhne in Ausbildung, darunter zwei Theologen, die nach vollendetem Studium psychisch krank und berufsunfähig im Elternhaus lebten, dazu Kost und Logis sowie ein Entgelt für den diensttuenden Gehilfen. Während der Wartezeit des älteren Theologensohnes auf eine Pfarrstelle, als die Krankheit noch nicht in dem späteren Maße ausgebrochen war, war dieser erfolgreich als Haus­lehrer tätig. Von seinem Vater dann zur Vertretung nach Hause zurückgerufen, fassten beide den Entschluss, die Gaben des Sohnes zu nutzen und vor allem aus finanziellen Gründen eine Privatschule zu gründen, um Jugendliche auf den Besuch der Gymna­sien in Hersfeld oder Kassel vorzubereiten. Schon immer war es unter Pfarrern Brauch, ihre eigenen Söhne zu unterrichten, zuweilen auch die Töchter, wofür sie soviel Zeit aufwandten, wie sie heute kein Pfarrer mehr besitzt. Die plötzliche Erkran­kung des ältesten Sohnes machte die hochfliegenden Pläne einer Datteröder Privat­schule zunichte. Das war auch aus dem Grunde bedauerlich, weil Vater und Sohn die Absicht hatten, auswärtige Schüler aufzunehmen, die in dem geräumigen Pfarr­haus untergebracht und verpflegt werden sollten.

Mit Friedrich Hosbach kommt 1875 ein Pfarrer ins Amt, dessen Familie weniger von Krankheit, Leid und Sorgen heimgesucht war als die seines Vorgängers. Seine vorherige Stelle hatte er in Nesselröden, von wo er drei Kinder mitbrachte. Verheiratet ist er mit Elise, geb. Bierschenk, vermutlich aus Wichmannshausen stammend. Die sieben Jahre bis zu seiner Verset­zung gehen in der Verrichtung des in Datterode als üblich zu wertenden Dienstes hin. Aus dem Rahmen fällt lediglich ein Konvent, in dessen Ablauf die Kirchenältesten versichern, dass es in der Gemeinde besser stehe als früher, die Kirche fleißiger besucht werde, der Wohlstand sich gehoben habe, dass es aber auch nicht an solchen fehle, welche die Wirtshäuser fleißig besuchten. Hosbach ergänzt diese Aussagen durch die Feststellung, dass nur drei Gemeindeglieder weder am Gottesdienst, noch am hl. Abendmahl teilnehmen, aber alle Kinder getauft, alle Brautleute kirchlich getraut wurden. 1882 wird Hosbach die 2. Pfarrstelle an der Stadtkirche zu Hersfeld verliehen.

Wenig ist über den nachfolgenden Pfarrer Bernhard Ehringhausen bekannt. Das Konsistorium hatte ihn von Helmarshausen, wo er nicht mehr tragbar war, 1882 nach Datterode versetzt, wo er das inzwischen neuerbaute Pfarrhaus bezieht. Die Konflikte, die der offensichtlich psychisch kranke Mann in seiner früheren Stelle heraufbeschworen hatte, setzten sich in anderer Weise in Datterode fort. Superintendent Dr. Hochhuth, Eschwege, wurde aus diesem Grunde vom Konsistorium beauf­tragt, dort eine Kirchenvisitation zu halten. Ihr Ergebnis war durchaus negativ und führte zu einer mehrmonatigen Beurlaubung. Dem Konsistorium blieb nach weiteren Verhandlungen keine andere Wahl, als Ehringhausen die vorzeitige Pensionierung nahezulegen, die dieser dann auch beantragte und erhielt. Es scheint so, dass er seinen Ruhestand in Kassel verbracht hat.

Neues Leben bringt der Pfarrer Heinrich Hochhuth in das Dorf. Er war der Sohn des Eschweger Superintendenten Dr. theol. Hochhuth und seit 1888 verheiratet mit Anna Katharina Andreas, ebenfalls aus Eschwege, einer Tochter des Brauereibesitzers Jakob Andreas. Er wurde am 7. 8. 1887 durch seinen Vater in der überfüllten Kirche in sein Amt eingeführt. Nach mehrjähriger Tätigkeit zu seinem Bericht über das religiöse und sittliche Leben seiner Gemeinde aufgefordert, rühmt er den guten Gottesdienstbesuch, indem er zugleich darauf hinweist, dass nur ein einziger Mann im Dorf der Kirche fernsteht. Bei 630 evangelischen Christen (incl. der Kinder) betrug 1891 die Zahl der Abendmahlsgäste bei der geforderten zweimaligen Teilnahme im Jahr 730. Häusliche Erbauung finde wohl in sehr vielen Familien statt. Bibel, Gesangbuch und das Starksche Gebetbuch werden von den älteren Leuten wohl täglich benutzt. Ehrerbietung gegen Kirche und das Amt des Pfarrers sei überall vorhanden. Zu der Heiligung des Sonntages, auf die ja zu allen Zeiten besonders geachtet wurde, heißt es, dass der Sonntag im großen und ganzen heilig gehalten würde, doch gebe es Einkäufe innerhalb und außerhalb des Dorfes, auch Geschäftsgänge über Land. Anlässlich einer regelmäßi­gen, aber in meist großen Abständen erfolgenden Visitation im Jahre 1901 kommt Hochhuth zu ähnlichen Feststellungen über das religiöse und sittliche Leben der Gemeinde, erwähnt aber noch, dass es mit der Nüchternheit besser geworden sei und das Schnapstrinken, von einigen Ausnahmefällen alter Männer abgesehen, sich wohl überlebt habe. Der Visitator, Superintendent Dr. theol. Wolff, prüft am Morgen des Visitationstages die Ober- und Mittelstufe der Schule in Religion und kommt zu einem guten Ergebnis. Zu der Predigt des Pfarrers Hochhuth äußert er sich „Hoch­huth predigte textgemäß, sehr praktisch und eindringlich, mit kräftigem und lebendi­gem Vortrag durchaus erbaulich und anregend“. Auf die an ihn gerichtete Frage, wie er sich auf seine Predigt vorbereite, antwortete er, dass er sie konzipiere, memorie­re und ohne Gebrauch des Konzeptes frei halte. Welcher Pfarrer kann das heute noch von sich sagen, dass er seine Predigt nach gründlichem Memorieren frei halte, also ohne Konzept oder Stichwortzettel auf die Kanzel steigt. Pfarrer Hochhuth gebührt das Verdienst, die Chronik der Pfarrei Datterode angelegt und mit wertvollen Beiträgen über die Entstehung des Dorfes, der Bildung und Dotierung der Pfarrei eingeleitet zu haben. Bei der Deutung des Ortsnamens setzt er sich für „Rodung an der Netra (Nater)“ ein. Ginge man bei dem ersten Teil des Namens von einem weltlichen Herrn, z.B. Datto, aus, so stehe man wie Lohengrin in der gleichnamigen Oper Richard Wagners von der Elsa „nie sollst Du mich befragen .... und wie mein Nam und Art“. Seinem unablässigen Bemühen und auch aufgrund der vielfältigen Beziehungen seiner eigenen Familie und der seiner Frau gelingt es ihm, 1903 beim Königlichen Konsistorium in Kassel die von seinen Vorgängern vergeblich angeregte Verlegung des Spendengottesdienst auf der Boyneburg vom Gründonnerstag auf Chri­sti Himmelfahrt durchzusetzen. Schon 1899 hatte er darauf verwiesen, dass es in der Vergangenheit am Gründonnerstag noch Schneestürme gegeben habe, dass auch die Pfarrer sich unter solchen Umständen durch ihren Dienst im Freien Erkältungen schlimmster Art zugezogen hätten. Als durchschlagendstes Argument führte er die Erklärung des Sanitätsrats Dr. Heinemann, Eschwege, an, wonach Gottesdienste im Freien am Gründonnerstag lebensgefährliche Folgen für Pfarrer und Lehrer und wahrscheinlich auch die Schulkinder haben könnten. Aus Gründen der Bildung und Unterhaltung schuf Pfarrer Hochhuth eine Volksbibliothek, die fleißig von der jünge­ren Generation benutzt wurde. In einem dienstlichen Schreiben versicherte er einmal „dies ist mein ernstes Streben, mein Amt treu und gewissenhaft zu führen“. Treu- und Gewissenhaftigkeit lassen nicht nur die Akten erkennen. Als ein tüchtiger und beliebter Pfarrer ist er auch dem Verfasser in den 30er Jahren von den Kirchenältesten und anderen Gemeindegliedern geschildert worden. Seine 1906 erfolgte Versetzung nach Bad Sooden-Allendorf, Stadtteil Sooden, wurde allgemein bedauert. Während seiner Datteröder Zeit wurden dem Ehepaar fünf Kinder geboren.

 

Kirchengemeinde und Pfarrer im 20. Jahrhundert
Auf die im kirchlichen Amtsblatt ausgeschriebene Pfarrstelle meldeten sich sechs Bewerber. Eine so hohe Zahl von Interessenten hat es in der langen Pfarrgeschichte weder vorher noch bis heute gegeben. Die Wahl fiel auf Adam Battenberg, Pfarrer zu Binsförth. Battenberg war dreimal verheiratet. Die erste Frau, Tochter des ehemali­gen Pfarrers Hosbach zu Rambach, starb nach nur halbjähriger Ehe. Die zweite, aus Schleswig-Holstein stammende Ehefrau starb ebenfalls sehr bald nach der Heirat. Beide Frauen wurden in Datterode begraben. Sein noch lebender Sohn war nach dem 2. Weltkrieg einige Jahre Pfarrer in Willershausen. Noch im Dezember des Jahres 1906 zieht Battenberg in das Pfarrhaus ein und wird noch im gleichen Monat eingeführt. Wegen des Todes zweier Ehefrauen hat er in den Anfangsjahren seinen Dienst nur in eingeschränktem Maße wahrnehmen können. Auch scheint er an einem Halsleiden gelitten zu haben, beantragt er doch schon im Herbst 1907 einen sechswöchigen Kuraufenthalt in Bad Lippspringe. Mit Anteilnahme und auch Fürsorge nimmt er sich der Krieger, wie man die Soldaten damals nannte, ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen an.

Am Sonntag, dem 2. August 1914, hält er einen Abschiedsgottes­dienst für die in den 1. Weltkrieg einberufenen Krieger. Ihre Zahl betrug 23, dazu 7 zur Landwehr und 12 zum Landsturm Einberufene. Ausführlich setzt er sich mit den Himmelsbriefen auseinander, die zu Beginn des Krieges in den meisten Häusern geschrieben wurden, um sie den Soldaten mitzugeben. Er wertet sie als Torheit, heidnischen Aberglauben und Versündigung. Um ein lebendiges Bild von dem Erge­hen der Soldaten zu gewinnen und für die Nachwelt festzuhalten, legt er eine kleine Sammlung von Auszügen aus Kriegsbriefen an. In seiner Hinterlassenschaft finden sich auch Nachschriften von Ansprachen, die er bei der Gedächtnisfeier für gefallene Soldaten in der Kirche gehalten hat. 1917 werden zwei der drei Glocken vom Turm heruntergeholt, um - wie Battenberg im Stil der Zeit schreibt - „unseren Söhnen, Brüdern, Männern, Vätern bei der harten Kriegsarbeit zu helfen“ und fährt dann fort: „Das Herz tut mir weh bei dem Gedanken an die Glocken. Sie sind ein Stück von der Heimat, sie gehören zum Dorf wie die Kirche, wie der Kirchturm“. Die eine der zum Einschmelzen bestimmten Glocken war 1863 nicht in einer auswärtigen Gießerei, sondern in Datterode gegossen worden, während die zweite aus einer Gieße­rei in Apolda/Thür. stammte, 1879 im Turm aufgehängt wurde und die Inschrift trug: Gott schütze Datterode. Die Erhaltene, nach ihrer Größe die Mittlere genannt, wurde 1851 von Christian See aus Creuzburg im Dorf selbst gegossen. Schon 1923, noch während der Inflation, wurden die beiden abgelieferten Glocken durch zwei von der Firma Schilling, Apolda, gegossene Stahlglocken (Bronzeglocken waren sei­nerzeit unbezahlbar) ersetzt. Sie kosteten 5.418.800,-- Mark und wurden durch Spen­den und Holzeinschlag finanziert. Im Gegensatz zu den reichgeschmückten Glocken vergangener und auch jetziger Zeiten waren sie von schlichtem Äußerem und trugen nur die Jahreszahl.

In die Amtszeit Battenbergs fällt die als Folge des verlorenen 1. Weltkrieges sich ergebende Trennung von Kirche und Staat. Im Protokollbuch des Presbyteriums, in dem fast ausschließlich Voranschläge, Jahresberechnungen und der Verkauf von Lohrinde zur Verhandlung stehen, findet sich am 29. 12. 1918 ein Beschluss, der offensichtlich vom Konsistorium formuliert, allen Gemeinden zur Beschlussfassung zugestellt war. Darin geht es um die Veränderung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche nicht durch Machtspruch, sondern nur auf dem Wege eines verfassungsge­mäß zustande gekommenen Gesetzes, Beibehaltung des Rechts öffentlicher Korpora­tionen für die Kirche und damit das Recht der Besteuerung ihrer Mitglieder, Unantast­barkeit des kirchlichen Vermögens, Weiterzahlung bestimmter staatlicher Zuschüsse und Fortführung des christlichen Religionsunterrichtes in den Schulen. Ein Jahr spä­ter, am 11. 08. 1919, wird die neue Verfassung der Weimarer Republik verkündet. In ihr werden die Forderungen, die damals von den kirchlichen Gremien gestellt waren, erfüllt. In dem vom Grundsatz her bedeutsamsten Artikel 137 heißt es „Es besteht keine Staatskirche“ und „Freiheit der Religionsausübung wird gewährleistet“. Die Landeskirche von Hessen-Kassel, die mit dem Ausgang des Krieges und den darauf folgenden Ereignissen ihre verfassungsmäßige Grundlage verloren halte, ist nunmehr gezwungen, sich eine eigene kirchliche            Verfassung zu geben. So werden 1921 Wahlen zu einer verfassungsgebenden Kirchenversammlung ausgeschrieben und die Verfassung selbst 1923 in Kraft gesetzt. Sie betraf in vielerlei Beziehung auch die einzelnen Kirchengemeinden. Vor allem wurde das bisherige repräsentative und beschlussfähige Gremium der Gemeinde, das sich das Große Presbyterium nannte und aus drei Arten von Mitgliedern bestand, dem Pfarrer als Vorsitzenden, den berufenen Kirchenältesten und den ebenfalls berufenen Gemeindeverordneten, durch den direkt von den Gemeindegliedern zu wählenden Kirchenvorstand ersetzt.

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Kirchturmrenovierung 1923

Pfarrer Bat­tenberg wechselt trotz seines hohen Alters noch einmal die Stelle und übernimmt zum 1. 4. 1928 das Pfarramt in Breitenbach bei Bebra. Inzwischen wurde bekannt, dass das Landeskirchenamt beabsichtigte, die beiden Pfarrstellen Datterode und Röhr­da, das gleichfalls vakant war, in irgendeiner noch zu findenden Art und Weise zusammenzufassen, beide zunächst aber einmal nur einem einzigen Pfarrer zu übertragen. Als Dienstsitz war Röhrda vorgesehen. Wie zu erwarten, traf dieses Vorhaben in Datterode auf lebhaften Widerspruch. Der Kirchenvorstand richtete unter Vorsitz dos Spezialvikars Pfarrer Eisenberg, Reichensachsen, im Juni 1928 die dringende Bitte an das Landeskirchenamt, nicht Röhrda, sondern Datterode als Wohnsitz zu bestimmen. Datterode sei von der Einwohnerzahl größer, das Pfarrgut ebenfalls grö­ßer und ertragreicher und liege näher an der Bahnstation Hoheneiche, Argumente, die bei der Diskussion über die Aufhebung der Pfarrstelle Röhrda 1986 ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Der Einspruch blieb wirkungslos, das Landeskirchenamt ernannte den Pfarrer Hans Carmesien, aus der Landeskirche Brandenburg kommend, zum Stelleninhaber von Röhrda mit dem Wohnsitz in Röhrda und beauftragte ihn mit der Versehung von Datterode. Dieser aber vermochte sich nicht in hessische Landgemeinden einzufügen und zog nach einigen unerquicklichen Vorkommnissen 1929 wieder ab in die Mark Brandenburg.

Zum 1. 8. 1930 werden die beiden Pfarrstellen dem Pfarrer Erich Eisenberg mit dem Dienstsitz in Datterode übertragen und das freie Pfarrhaus in Röhrda an den Gendarmeriemeister Krause vermietet. Pfarrer Eisenberg stammt aus einer alten kurhessischen Pfarrerfamilie, war als Pfarrerssohn in Renda geboren und ein Urenkel des ehemaligen Datteröder Pfarrers Karl Eisenberg. Seine Tätigkeit übt er zunächst in herkömmlicher Weise mit jugendlichem Schwung und guten Ideen aus. So gelingt es ihm, die Sonntagsschule der landeskirchlichen Gemeinschaft in den Kindergottesdienst zu integrieren. Das ist deswegen bemerkenswert, weil die Gemeinschaft durch die Wirksamkeit des Lehrers Bachmann und den Einsatz von Pfarrer Battenberg starken Zuspruch erfahren hatte. Seinem Vorschlag, sich auch im Bereich der Bibel­stunde zu vereinen und diese abwechselnd mit dem Prediger Hartung zu leiten, ver­mochte die Gemeinschaft indes nicht zuzustimmen. Erstmalig beginnt er mit Jugend­arbeit und richtet im Pfarrhaus einen Jugendraum ein. Durch seine Initiative entsteht ein Kirchenchor, dessen Leitung von dem Organisten und früheren Lehrer Scherp übernommen wird. Um bei den winterlichen Gottesdiensten nicht mehr, wie seit Jahrhunderten, frieren zu müssen, wird auf Anregung Eisenbergs und Beschluss des Kirchenvorstandes ein Spezialheizungsofen in der Kirche installiert.

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Die Kirche in 1930er Jahren; deutlich sichtbar die
Baldachinform der Kirchturmspitze

Nach der „Machtübernahme“ am 30. Januar 1933 greift die nationalsozialistische Staatsführung in das Leben der Kirche ein. Auf Anordnung des Staatskommissars für Kirchenfragen, Jäger, wird auch in Datterode der bisherige Kirchenvorstand aufge­löst, zwischenzeitlich ein aus zwei Personen bestehender Kirchenvorstand eingesetzt und in der allgemeinen Kirchenwahl vom 23. Juli einstimmig (es gab nur eine einzige Liste) ein neuer Kirchenvorstand gewählt. Entgegen der nationalsozialistischen Erwartung werden alle sechs Mitglieder, die schon vor dem Eingriff dem Gremium angehörten, wiedergewählt. Trotzdem wird im Unterschied zu den Nachbarkirchspie­len, vorangetrieben durch Pfarrer Eisenberg, bereits im Juli 1933 in Datterode eine Gemeindegruppe der „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ gegründet. Diese schon seit 1932 bestehende Organisation glaubte an eine Verbindung von Christentum und Nationalsozialismus und arbeitete konsequent auf eine national- und rassebewuss­te, alle jüdischen Einflüsse abstreifende und nach dem Führerprinzip geleitete Deut­sche Reichskirche hin. Der Zeitungsbericht über die Gründungsversammlung, die wegen des größeren Saales in Röhrda stattfand, auf der Pfarrer Uffelmann, Greben­dorf, die Hauptrede hielt und eine wirkliche Verbindung zwischen Volk und Kirche, Volkstum und Christentum, Führertum frei von allen parlamentarischen und demo­kratischen Ideen forderte, schloss mit folgendem Satz: „Mit dem Treuegelöbnis für den Führer der NS-Bewegung, den Volkskanzler Adolf Hitler und dem Gesang des Horst Wessel Liedes fand die Kundgebung der Glaubensbewegung Deutsche Christen in Röhrda ihren Abschluß“. Ob die Gemeindegruppe der „Deutschen Christen“, die von oben gefördert, aber nur über eine sehr kleine Basis verfügte, zu Versammlungen oder den damals so beliebten Schulungen zusammenkam, lässt sich nicht mehr ermit­teln. Schriftlich festgehalten ist lediglich, dass an einem Sonntag im Jahre 1934 in der überfüllten Turnhalle ein „Evangelischer Volkstag“ stattfand. Vorausgegangen waren am Vormittag zwei Gottesdienste in Datterode und Röhrda. Prediger und Spre­cher, so die Bezeichnung in jener Zeit, waren Pfarrer Veerhoff, der Leiter der kommis­sarischen Kirchenleitung von Kurhessen-Waldeck, und der radikale Nationalsozialist Pfarrer Grebe. Der Gemeindegruppe war indes nur ein sehr kurzes Leben beschieden. Der Verfasser weiß aus vielen mit den Mitgliedern des Kirchenvorstandes im Jahre 1936 geführten Gesprächen, dass ihnen im Grunde gar nicht klar gewesen ist, auf was sie sich mit ihrer Hinwendung zu den Deutschen Christen eingelassen und wie sehr sie es bedauert haben, nicht den Mut zu einem Nein gehabt zu haben. Nur noch eine einzige Versammlung fand in der „Halle“ in Röhrda unter fast ausschließli­cher Beteiligung auswärtiger „Deutscher Christen“ statt. Die Kundgebung, wie sie genannt wurde, war ursprünglich für Eschwege geplant, konnte aber wegen des Wider­standes aller Pfarrer des Kirchenkreises, bis auf zwei, in der Kreisstadt nicht gehalten werden. Inzwischen konstituierten sich in Kassel zwei Kirchenleitungen, die der Bekennenden Kirche verbundene einstweilige Kirchenleitung und die deutsch­christliche kommissarische Regierung. Letzterer unterstellten sich Pfarrer Eisenberg und Pfarrer Uffelmann, während alle anderen Planer der einstweiligen Kirchenlei­tung ihr Vertrauen schenkten. Zum 1.11.1935 wird Pfarrer Eisenberg nach Wanfried versetzt, nachdem er vom dortigen Kirchenvorstand zu einer Bewerbung aufgefordert worden war. Zwischen den Gemeinden Datterode und Röhrda kommt es zu Misshelligkeiten mit den beiden Kirchenleitungen über die Beschäftigung des Vikars Herwig. Dieser wird schließlich rechtswidrig ohne bestandenes zweites Theologisches Examen durch den Leiter der kommissarischen Kirchenregierung, Pfarrer Veerhoff, unter Assistenz der Pfarrer Eisenberg und Herwig, seines Vaters, an einem Wochentag (Kirmesmontag) in der Kirche von Datterode ordiniert, muss aber am Ende doch das Kirchspiel verlassen und findet in dem benachbarten, unter „deutsch-christlicher“ Leitung stehenden Kirchenkreis Eisenach eine Pfarrstelle.

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Erich Eisenberg 1935

 

 

Die „pfarrerlose“ Zwischenphase wird u. a. von Dr. Kurt Reuber, Pfarrer zu Wichmannshausen vom 1. April 1933 bis Oktober 1939, überbrückt. Kurt Reuber ist der Maler der berühmten „Madonna von Stalingrad“, die sich heute in der Kaiser-Wilhelm-Kirche zu Berlin befindet (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Reuber mit weiteren Quellennachweisen).

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Selbstbildnis von Kurt Reuber Anfang Januar 1943 in Stalingrad; rechts Hochzeitsgesellschaft Christoph Wolf und
Frau Martha, geb. Gonnermann,  mit Kirchenchor Wichmannshausen – die Trauung nahm Kurt Reuber vor

 

Mit Wirkung vom 1.5.1936 wird die Versehung der beiden Pfarreien Röhrda und Datterode mit dem Dienstsitz in Röhrda Pfarrer extr. Friedrich Delius übertragen. Seine Amtstätigkeit umfasst durch den 2. Weltkrieg bedingte unterschiedliche Abschnitte.

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Gendarmeriewachtmeister Simmer bewohnt  in 1940er Jahren das Pfarrhaus;
links hinter ihm das Waschhaus

Von 1936 - 1939 geht es um Verkündigung, Seelsorge, Unterricht in zeitbedingter Auseinandersetzung mit dem Ideengut der „Deutschen Christen“, der „Deutschen Glaubensbewegung“ und der völkisch-religiösen Anschauungen von Alfred Rosenberg und General Ludendorff, von vielen als Neuheidentum verstanden, auf der Grundlage des Wortes Gottes, wie es in der hl. Schrift offenbart und in dem Bekenntnis der Reformation bezeugt ist. Der ihm von der Kirchenleitung erteilte Sonderauftrag, die deutsch-christliche Gruppe wieder in die Gemeinde zu integrieren und normale kirchliche Verhältnisse herbeizuführen, kann schon im Herbst 1936 als erfüllt angesehen werden. Seine pfarramtliche Tätigkeit in diesen Jahren vollzieht sich in üblicher Weise. Besondere Kreise und Gruppen, die zu betreuen gewesen wären, bestehen nicht mehr, können auch vor allem, was die Jugend anbetrifft, auf­grund der nationalsozialistischen Gesetze nicht gegründet werden.

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Der „nationalsozialistische“ Kindergarten ist in den 30er/40er Jahren des letzten
Jahrhunderts im Pfarrhaus untergebracht

Die Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst ist außerordentlich gut, die Amtshandlungen werden von allen Gemeindegliedern in Anspruch genommen. Trotz massiver Gegenpropa­ganda in der Presse, im Radio, auf Versammlungen und in Schulungen gibt es kein Kind, das nicht getauft, nicht konfirmiert ist, keine Ehe, die nicht kirchlich getraut, keinen Verstorbenen, der ohne Beteiligung des Pfarrers vom Hause zum Friedhof geleitet worden wäre. Die althergebrachten Katechisationen für die drei letzten Jahrgänge der Konfirmierten, die in den Sommermonaten alle 14 Tage im Gottesdienst anstelle der Predigt treten, werden unter vollzähliger Beteiligung aller Verpflichteten bis Kriegsbeginn durchgeführt. Sie geben Delius im Gespräch mit den jungen Men­schen vor der erwachsenen Gemeinde eine bessere und wirksamere Gelegenheit der Auseinandersetzung mit den Ideologien der „Deutschen Christen“ und der „Deut­schen Glaubensbewegung“, als das in der Predigt möglich ist. Unterstützung und Beratung findet er bei dem Organisten und früheren Lehrer Jakob Scherp. Im Verein mit seiner aus Datterode stammenden Ehefrau Marie, geb. Gier, bietet er dem Verfas­ser an, am Sonntag vor den Gottesdiensten in seiner Wohnung einzukehren, um den Talar anzulegen, den Ablauf des Gottesdienstes und die ausgewählten Lieder zu besprechen und bei kalten Wintertagen sich bei ihm aufzuwärmen, bewegte sich doch der Pfarrer damals nicht im geheizten Auto, sondern in der Regel mit dem Fahrrad und zu Fuß. Gern hat der Verfasser all die Jahre seines Hierseins von diesem Angebot Gebrauch gemacht und dabei auch viel von diesem geschichtskundigen und lebenserfahrenen Mann über Land und Leute vernommen. Wegen seiner großen Ver­dienste um die Kirchenmusik wurde ihm später der Ehrentitel Kantor verliehen. Er starb 85-jährig am 18.9.1963. Auch den beiden langjährigen Kirchenvorstandsmit­gliedern, dem Kastenmeister Heinrich Hose und dem Pfarreirechner Heinrich Rons­hausen ist der Verfasser dankbar. Sie waren es, die den jungen Pfarrer in das kirchliche Finanz-, Rechnungs- und Steuerwesen einführten, war damals doch noch jede Gemeinde auch in der Kassenführung selbständig. An ein zentrales Rentamt, wie es heute besteht, war noch nicht zu denken. Vom 26.8.1939 bis zur Kapitulation im Mai 1945 ist Delius aufgrund der allgemeinen Wehrpflicht, die im Unterschied zu einst und jetzt keine Ausnahmeregelungen für Theologen kennt, zum Kriegsdienst eingezogen und auf verschiedenen Kriegsschauplätzen als Offizier eingesetzt. Die pfarramtliche Vertretung wird zunächst von den Nachbarn, sodann von Pfarrer Karl Freudenstein wahrgenommen. Letzterer bewohnt mit seiner Familie das Pfarrhaus in Röhrda, das außer mit seiner noch mit zwei evakuierten Familien aus dem Saarland wie aus dem Raum Aachen belegt ist. Im Juni 1945 kehrt Delius nach kurzer amerika­nischer Kriegsgefangenschaft nach Röhrda zurück. Wie alle Heimkehrer findet er ein Land vor, über dem eine allgemeine Apathie und stummes Entsetzen liegen. Das Deutsche Reich ist nicht mehr, es gibt keine Regierung, keine Autorität mehr. Keiner weiß, was ist und werden könnte. Tief ist die Trauer um die Gefallenen. Zahlreich sind die Fürbittenandachten für die Vermissten und Kriegsgefangenen in der stets überfüllten Kirche. Über 300 Flüchtlinge und Vertriebene gilt es aufzuneh­men. Immer verschlossener wird die Grenze zum nahen Thüringen. Mit Entsetzen werden Berichte von der Ermordung und Vergasung von sechs Millionen Juden aufge­nommen. Namen wie Auschwitz und Dachau dringen an aller Ohren. Das Ungeheuer­liche dieses Geschehens aber erschüttert alle. Nur wenige sind es, die nachdenken, die sich indirekt mitschuldig fühlen. In den Akten und sonstigen Unterlagen der Kirchengemeinde sind die wenigen Juden, die in Datterode wohnhaft waren, nirgend­wo erwähnt. Lediglich an einer Stelle werden neben der Seelenzahl der Gemeinde sechs Judenhäuser aufgeführt. Es kann also in diesem Beitrag nichts über das beider­seitige Verhältnis gesagt werden. In diesen Jahren nach dem vollkommenen Zusammenbruch blickt man auch in Datte­rode mit großer Aufmerksamkeit auf die Kirche. Man sieht sie als moralische Kraft und erwartet von ihr Trost und Ermutigung, ist bereit, ihren Rat zu beachten. Delius, der sich zu keiner Zeit seiner 40-jährigen Amtszeit dienstlich so gefordert sieht wie in diesen Nachkriegsjahren, versucht in zahllosen seelsorgerlichen Einzelgesprächen, in der Verkündigung wie durch sein Handeln diesen Erwartungen zu entsprechen. Er müht sich nicht nur um die Menschen in Datterode und Röhrda, sondern auch um die Gemeinden in Grandenborn und Wichmannshausen, wo er mehrere Monate regelmäßige Vertretungsdienste zu leisten hat und für die drei Gemeinden Netra, Rittmannshausen und Lüderbach, in denen er über ein Jahr lang den vollen Dienst tut. Dankbar erinnert er sich dabei der von Kirchenvorständen, insbesondere den Kastenmeistern wie auch von den neu in ihr Amt gekommenen Bürgermeistern erfahrenen Hilfe, vor allem der Unterstützung durch den Bürgermeister von Röhrda, Heinrich Sennhenn. Festgehalten sollte noch werden, dass der Kirchenvorstand von Datte­rode den aus dem Sudetenland und Ungarn Vertriebenen, die zumeist katholischer Konfession sind, die Kirche zu Abhaltung ihrer Gottesdienste zur Verfügung stellt.


Kirchturmsanierung 1949; rechts Malermeister Karl Wolf (links) und der damalige Bürgermeister Heinrich Neusüß beim Richten der neuen Turmzier



Zugemauertes Rundbogenfenster an der Südseite

An der nördlichen Chorwand zeigte sich bis 1986 in ca. 1,54 m Höhe eine 0,28 m tiefe, 0,42 m hohe und 0,34 m breite Nische mit alten Putzresten. Es handelte sich hier um eine Totenlichtnische, die wohl noch aus der Zeit des spätmittelalterli­chen Chorneubaus stammte und ein Totenlicht aufnahm, was im Zusammenhang mit dem Begräbnisplatz um die Kirche, den alten Totenhof zu sehen ist. Unbegreiflicherweise ist dieses bemerkenswerte Architekturdetail 1986 zugemauert worden, ein bedauerlicher Restaurierungsfehler! Vergleichbare Totenlichtnischen zeigen sich in nächster Nachbarschaft noch am Chorturm in Rittmannshausen oder an den spätgoti­schen Chören in Röhrda und Luderbach.


Zugemauerte Totenlichtnische

 

Betreten wir nun das Kirchenschiff durch die Turmhalle. Der jetzige Zugang wurde - wie bereits erwähnt - erst 1962 angelegt, gleichzeitig ist das im westlichen Teil der Südwand gelegene ehemalige Portal zugesetzt worden. Das Langhaus stellt sich als länglicher Saal mit Emporen an der Nord- und Westwand (die Orgelempore ist weit in den Raum gezogen) und korbbogiger, oben abgeflachter Brettertonne sowie polygonalen, mit fünf Seiten eines Achtecks schließendem spätgotischem Chor dar. Bis zur durchgreifenden Kirchenrenovierung 1961/62 wurden beide Längswände des Kirchenschiffs von Emporen begleitet; die Westempore sprang nicht so weit in das Kirchenschiff vor.


Links Blick in den Chorraum anl. eines Erntedankfestes in den 1930er Jahren;
deutlich zu erkennen die beiden Emporen und die Kanzel im Hintergrund – Mitte: Blick vom gleichen Standort ab 1962 - rechts 2016

Diese bis 1960/61 anzutreffende Lösung dürfte 1844 beim Neubau der
Emporen gefunden worden sein. Die alte Kanzel wurde 1961/62 zum heutigen transportablen Ambo umgebaut. Die Emporen werden von Rundstützen getragen. die ein kapitellartiges Kopfstück zeigen, das der toskanischen Säulenordnung entlehnt ist, darüber ruht ein „fasziertes“ Gebälk, über dem sich die Emporenbrüstung mit langrechteckigen Spiegelfeldern aufbaut. Die Empore zeigt somit klassizistische Elemente, die sich auch an der 1842 - beim Neubau des Langhauses – neu erbauten Empore der Kirche von Netra wieder finden.

Die Orgel auf der Westempore weist einen Prospekt des Normaltyps der barocken Dorfkirchenorgeln in Hessen auf und dürfte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Einem beherrschenden runden Mittelturm sind spitze Seitentürme zugeordnet; in Laubsägemanier gehaltene Ornamentik begegnet an den so genannten Schleiern der Türme und an den zuseiten der Spitztürme angebrachten Ohren, typische Volkskunstelemente, die auch tulpenblütenförmige Motive aufweisen. Die Orgel weist folgende Disposition auf: (links) Vakant, Gedackt 8’. Oktav 8’, Subbass 16’; (rechts) Flöte 8’, Oktav 2’, Prinzipal 8’, Prinzipal 4’.


links bis 2015 - rechts ab 2016

 


In der nördlichen Chorwand wurde gelegentlich der Renovierung 1961/62 - unterhalb eines auf die Wand gemalten Weihekreuzes - eine vierte Nische mit einem stark zerstörten Wandtabernakel mit Sandsteingewände freigelegt, ein ehemals vor die Wand springendes verschließbares Sakramentshäuschen, das - da es auf die Malereien keine Rücksicht nimmt - erst später, vielleicht erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts, aber noch in vorreformatorischer Zeit, eingebaut wurde. Des schlechten Erhaltungszustandes wegen ist es wieder zugesetzt wor­den und somit heute nicht mehr sichtbar.

Besondere Beachtung verdienen die Wandmalereien, die am 8. September 1959 vom heimischen Malermeister Karl Wolf entdeckt und in den folgenden Monaten von Kirchenmaler Landgrebe freigelegt werden konnten. Am 16. Dezember 1962 wurde die durchgreifend renovierte Kirche wieder der Gemeinde übergeben. Die Wandmalereien wurden in so großen zusammenhängenden Teilen vorgefunden, dass man sich für eine Restaurierung entschied. Nur wenige Landkirchen in Nordhessen vermögen in ähnlicher Weise wie in Datterode eine Vorstellung von der gemalten Ausstattung einer spätmittelalterlichen Dorfkirche zu vermitteln.

Wann die Malereien, die sich unter mehreren Tüncheschichten vorfanden, überstrichen und damit unsichtbar gemacht wurden, lässt sich möglicherweise mit einem Hinweis in Zusammenhang bringen, der hier wiedergegeben wird. Unter dem Land­grafen Moritz wurden die so genannten Verbesserungspunkte in der Kirche von Hessen-Kassel eingeführt, die ausgesprochen bilderfeindlich waren. Ernst Hofmeister erwähnt in seiner 1910 erschienen Marburger Dissertation, die „kirchlichen Verbes­serungspunkte“ des Landgrafen Moritz des Gelehrten von Hessen (S.179): „Der Rent­meister von Eschwege hatte (um 1607) mit seinen Dienern die Bilder aus der Kirche von Datterode entfernen müssen. Dabei war es zu einem bedenklichen Aufstand der Bauern gekommen, die pietätvoll an denselben hingen und sie nicht entfernen lassen wollten.“

Betrachten wir nun die Wandmalereien im Einzelnen und beginnen wir im Chor. Die mit Ausnahme einer niedrigen Sockelzone die gesamte Wand überziehende Malerei ist so angelegt, dass ca. 0,70 m über dem Fußboden eine gemalte Stoffdraperie, die einen Vorhang vortäuscht, erscheint, die den gesamten Chorraum umzieht und lediglich von den geometrischen, schablonengemusterten 0,12 m breiten Rahmen um die drei Wandnischen unterbrochen wird. Diese unterste, rein dekorative Zone schließt in Höhe der Fenstersohlbänke.


Ausschnitt der gemalten Stoffdraperie

Darüber setzt ein variiertes Schema ein, das Szenen und Einzelfiguren zum Inhalt hat. An der geschlossenen nördlichen Chorwand erscheinen vier große Bildfelder, die von ca. 0,12 m breiten Rahmen mit flüchtig gegebenem stilisiertem Rankenwerk umschlossen werden. In den südlichen und östli­chen Chorpartien, dort, wo die Wand durch hohe Fenster unterbrochen wird, stehen in den Fenstergewänden oder auf den Wandstücken zwischen den Fensteröffnungen Heiligenfiguren, die durch schmale Rahmenleisten oder bordürenartige Rahmen umschlossen werden. Die Wölbungen der Fensternischen zeigen wieder flüchtig hin­gesetztes, stark bewegtes Rankenwerk. Schließlich beginnt - wenig unterhalb der Fensterwölbung - eine dritte, bis zum Ansatz der Decke reichende Zone, die einen Apostelzyklus - mit Christus im Chorhaupt - zeigt. An der südlichen Langhauswand sind die Malereien weitgehend verloschen, im westlichen Teil erscheint - in Höhe der Empore - eine der bemerkenswertesten Darstellungen, Christus als Weltenrichter in der Mandorla.

Von den ehemals 12 Weihekreuzen, die in Höhe der zweiten Zone auftreten und die Malereien nicht respektieren, z. T. über diese gemalt sind, haben sich noch vier erhal­ten; dabei handelt es sich um die übliche spätmittelalterliche Form, ein in einen Kreis eingeschriebenes griechisches Kreuz mit Balken, die sich zur Kreuzvierung hin ver­jüngen.


Erhaltenes Weihekreuz

 

Sehen wir uns nun die Bilder im Einzelnen an und beginnen wir an der Nordwand des Chores. Nur eine der vier hier auszumachenden Darstellungen ist noch gut zu erken­nen: Eine Szene der Geburt Christi, wobei das Christkind auf einem ovalen mattenar­tigen Lager erscheint, dahinter ist ein adorierender Engel zu sehen, ihm zur Rechten Maria, zur Linken Josef, beide haben die Hände - wie der Engel - zum Gebet erho­ben.

Das Bild links neben der Geburt ist nur in Teilen noch erkennbar, im Zentrum der Darstellung ist eine sitzende Frau mit rotem Mantel zu sehen, vermutlich Maria; möglicherweise ist hier eine Szene der Marienanbetung gemeint. Die beiden unteren Bilder sind nicht mehr deutbar, doch dürften sie in unmittelbarem Zusammenhang mit den beiden oberen Darstellungen stehen und auch Szenen aus dem christologi­schen Zyklus geboten haben.

Nun zu den Darstellungen in der Fensterzone der östlichen Chorpartien: Das linke Gewände des nordöstlichen Fensters scheint später neu verputzt worden zu sein, da sich hier keine figürliche Darstellung ausmachen lässt, hingegen zeigt das rechte Gewände eine weibliche Heilige mit Märtyrerkrone und Nimbus; das Bild ist so stark verblasst, auch fehlen erkennbare Attribute, dass sich die Heilige nicht benennen lässt.

 


Auf dem Wandstück daneben, zwischen dem nordöstlichen und dem östlichen (= Chorhaupt-) Fenster, ist eine jugendliche Heilige mit Märtyrerkrone, Nimbus und leicht gewelltem, über die Schultern fallendem Haar zu sehen, da auch bei dieser Hei­ligen keine Attribute mehr erkennbar sind, ist ein Ansprechen der Heiligen nicht möglich.

 

Das benachbarte Fenstergewände zeigt eine weibliche Heilige in der Art der zuvor genannten Figur, die durch ihre Attribute hinlänglich einwandfrei anzusprechen ist, wenngleich ihr Antlitz verblasst ist: Margareta von Antiochien. Ihre Attribute Dra­chen und Kreuzstab sind gut erkennbar; mit ihrer Linken weist sie auf das Kreuz an ihrem Stab. Im rechten Fenstergewände tritt uns eine gut erhaltene Heilige entgegen, ganz in der Art der anderen bereits erwähnten gegeben, zeigt sie ein ockerfarbenes Kleid, einen purpurfarbenen Umhang, lang herab fallendes Haar. Ihr Haupt ist wieder bekrönt und numbiert, in ihrer Rechten hält sie ein Buch, in ihrer Linken einen Palm­zweig, der sie zusammen mit der Krone eindeutig als Märtyrerin ausweist, doch sind ihre beiden Attribute Buch und Palmzweig zu allgemein, als dass sie sich dadurch ein­wandfrei deuten ließe.

Das benachbarte Wandstück zeigt wiederum eine jugendliche gekrönte und numbierte Heilige mit lang herab wallendem Haar; ihre Rechte hält als Attribut einen Gegen­stand, der als Radspeiche oder als großer Nagel anzusprechen ist. Eine schlüssige Deutung dieser Heiligen ist bisher nicht gelungen. Es ist fraglich, ob wir hierbei an Katharina von Alexandrien denken können, die gewöhnlich mit einem (gelegentlich zerbrochenen) Rad und einem Schwert dargestellt wird.

lm Fenstergewände daneben erscheint eine ebenfalls gut erhaltene Heilige in der bekannten Form. Ihre Rechte deutet auf ein nicht mehr erkennbares Attribut, oder sollte es nur ein Buch sein? Im rechten Gewände des südöstlichen Fensters ist eine Heilige mit in einem Witwenschleier verhüllten Kopf dargestellt; ihre Rechte weist auf einen Kelch, den sie in der Linken hält; vermutlich handelt es sich um die Heilige Barbara, oder sollte es sich wegen des Schleiers um die Heilige Elisabeth von Thüringen handeln?

Das etwas breitere Wandstück daneben zeigte wohl ursprünglich zwei Heilige, von denen sich nur eine Figur erhalten hat, ein männlicher Heiliger in Diakonstracht mit Märtyrerpalme in der Linken und einem Buch in der Rechten. Vielleicht handelt es sich hier um den heiligen Stephanus.


Das linke Fenstergewände des südlichen Chorfensters zeigt uns einen Heiligen. der - ähnlich wie der zuvor genannte - mit einem langärmligen Gewand gekleidet ist; im angewinkelten Arm trägt er mit seiner Linken ein Buch, während seine Rechte sein Marterwerkzeug, einen Rost, hält. Durch dieses Attribut ist er einwandfrei zu deuten, der heilige Laurentius.

Das rechte Fenstergewände weist einen älteren numbierten Heiligen mit Buch in der Rechten und einem oben leicht gekrümmten Stab in der Linken auf. Er trägt ein gelbes Gewand und einen rotem Umhang. Einen ebensolchen Krummstab trägt der bärtige Heilige im rechten Gewände des westlichen Fensters der südlichen Langhauswand.

Die dritte, oberste Zone, die dem Apostelkollegium mit Christus in ihrer Mitte vorbe­halten ist, beginnt seitlich der Geburtsszene im nordöstlichen Chorpolygon. Zunächst sind zwei Apostel zu sehen, die so stark verblasst sind, dass sie nicht mehr gedeutet werden können. Lediglich der zweite Apostel zeigt noch das bei den meisten Jüngern Christi wiederkehrende Attribut, das Buch. Alle Apostel sind ausgesprochen volkstümlich dargestellt. Der dritte Apostel ist durch sein deutlich erkennbares Attri­but, ein schräg gestelltes Balkenkreuz. als Andreas ausgewiesen.

Direkt daneben erscheint über dem östlichen Fenster, dem Chorhauptfenster, die Halbfigur Christi, wobei Christus als Himmelsfürst dargestellt ist: Bartlos mit lang über die Schultern fallendem Haar gegeben, im linken angewinkelten Arm den Reichsapfel als Symbol seiner Himmelsherrschaft haltend, die Rechte im Redegestus erhoben.

Christus zur Linken erscheint zunächst Paulus mit seinen Attributen Schwert und Buch, ihm folgt in dem Zyklus der barhäuptige Petrus mit grauem Bart, der durch seinen Schlüssel hinreichend charakterisiert ist. Die beiden folgenden Apostel tragen offensichtlich Stäbe oder Keulen: Für sie kommen Jacobus major, Jacobus minor oder Judas infrage.

Der Erhaltungszustand der Figuren muss diese Frage offen lassen. Oder trägt die rech­te Halbfigur ein Messer. so dass es sich dabei um Bartholomäus handeln würde? Die nächste Ganzfigur mit rotem Gewand ist wohl als Matthäus, der Zöllner, anzuspre­chen, da er Buch und Beutel als Attribute trägt. Ihm zur Linken erscheint Philippus, der Kreuzstab und Buch trägt. Die nächste Figur ist durch die fragmentarische Erhal­tung ihrer Attribute nicht einwandfrei zu deuten; trägt der Apostel Winkelmaß und Spieß, was leider nicht ganz klar ist, würde es sich um Thomas handeln.

Ob er von Jacobus major mit Hut und Stab gefolgt wird, lässt sich leider auch nicht mit Gewissheit angeben. Schließlich erscheint noch der jugendliche bartlose Johannes, mit sei­ner Rechten auf sein Attribut, den Kelch, weisend.

Die merkwürdigste Darstellung, die bisher noch keine schlüssige Deutung gefunden hat, ist ein seitlich an Johannes in roten Konturlinien gegebenes Haus mit Satteldach und offenem Dachreiter, den ein verschindeltes (?) Kegeldach abschließt. Das Gebäude werden wir als Kapelle deuten dürfen, da in seinem Dachstuhl eine frei schwingende Glocke zu sehen ist. Eine Klärung dieser Darstellung ist nicht möglich, da die westlichen Partien des Bildes bei der Vergrößerung eines Fensters (daneben) um 1844 zerstört wurden. Vermutlich ist die Kirche Teil einer Szene aus einer Heiligenvita.

Gleichfalls undeutbar ist die durch eine Borte getrennte Darstellung darunter, die eine barhäuptige Figur mit weitärmligem Mantel und erhobener Rechten zeigt, die offensichtlich auf eine verloren gegangene Figur oder Szene gewiesen hat.

Zwischen dem südwestlichen Langhausfenster und dem Emporenzugang hat sich die eindrucksvollste Darstellung der spätmittelalterlichen Ausmalung der Kirche erhal­ten: Die Darstellung des Richtenden Christus, in einer spitzovalen Mandorla ein vor einem in drei Farbtönen wiedergegebenen Regenbogen stehender Christus, die Arme im Segensgestus ausgebreitet. Er ist in einen, großen purpurfarbenen Mantel gehüllt, der im Brustbereich geöffnet ist und die Wundmale sichtbar werden lässt; sein bärtiges numbiertes Haupt ist leicht nach rechts gewendet. Hinter seinem Heiligenschein liegt links ein Zweig (rechts von Christus), der Sprossen und eine Blüte zeigt; links von Christus erscheint - auf ihn weisend  - ein dolchartiges Schwert. Der leere Raum um Christus ist durch rote Sterne gefüllt, die das Weltall andeuten.



Außerhalb der Mandorla erscheinen seitlich dieser im oberen Bereich zwei  Engel mit Blasinstrumenten.

ier ist der Richtende Christus des Jüngsten Gerichts nach der Offenbarung des Johannes dargestellt: Christus thront auf einem Regenbogen (Himmelsbogen, Off. 4,3), sein Mund spricht die Worte des Gerichts für die Angenommenen (Lilienstab als Bild der unbestechlichen Reinheit) und Verdammten (Schwert, Off. 1, 16). Engel blasen zum Gericht, seine Füße ruhen auf der Erde (Matth. 5, 35). Leider musste ein großer Teil des Bildes ergänzt werden. Die Farben sind sehr spärlich einge­setzt, ein helles Ziegelrot dominiert, ferner treten ein Ockerton, ein lichtes Grün und Schwarz auf.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass sich Reste eines weiteren christolo­gischen Zyklus, eines Passionszyklus, erhalten haben. Links von der Orgel ist eine Passionsszene zu sehen, der Judasverrat.


Auch rechts von der Orgel sind Reste von nicht mehr im Einzelnen festlegbaren Szenen aufgedeckt worden, davon lässt sich nur eine Geißelszene und - in der Nähe des 2. Fensters von Westen - ein Fußfall deuten.


Nicht abgehandelte und ungeklärte Person im linken Fenstergewände des westlichen Fensters der Südseite
Den aufgedeckten und größtenteils wiederhergestellten Malereien in der Pfarrkirche zu Datterode kommt eine Bedeutung insoweit zu, als es sich hier um eines der umfangreichsten erhalten gebliebenen Beispiele einer im Spätmittelalter ausgemalten Dorfkirche handelt. Die künstlerische Qualität der Malereien ist dagegen eher als bescheiden zu qualifizieren. Die Heiligenfiguren mit jeweils leicht typisiertem Gesichtsausdruck zeigen in ihrer Haltung und Gewandung das in der Zeit ihrer Ent­stehung Übliche, müssen wir doch damit rechnen, dass die hier tätigen Maler (oder sollte es sich nur um eine Malerpersönlichkeit gehandelt haben?) sich stark an Vorla­gen gehalten haben, so dass sich keine Züge einer maßgeblichen eigenständigen Künstlerpersönlichkeit fassen lassen. Die Heiligen sind, vor allem in ihren Köpfen, nicht ohne künstlerischen Reiz. Etwas Besonderes, in der Art der Unbefangenheit in der Darstellung, zeigen aber auch die Apostel. Hier wäre daran zu denken, dass sie einer anderen, ungeübteren Hand zu verdanken sind. Auffällig ist jedenfalls, dass sie - ohne ein Respektieren der vorgegebenen architektonischen Bedingungen - über die Wand verteilt wurden, teils als Vollfiguren, auf den geschlossenen Wandflächen, teils als Halbfiguren, wenn sich gerade darunter eine Fensteröffnung befand. Die Heili­genfiguren in der Fensterzone haben etwa Lebensgröße, sind also durchweg größer als die Apostel.

Zur Farbigkeit der Malereien: Es treten nur einige wenige Farben auf, durchweg mineralische Farben, größtenteils Erdfarben: Rot (Englischrot, z. T. heller abgetönt) als dominierende Farbe, Ocker, ein tiefes Grün, Braun (nur sehr wenig), Schwarz. Wie bereits erwähnt wurde, sind viele Retuschen bzw. Ergänzungen gele­gentlich der Renovierung der Malereien 1962 erforderlich gewesen, um eine einiger­maßen einheitliche Gesamterscheinung vor allem im Chor, wo sich am meisten erhal­ten hatte, zu erreichen. Die ornamentalen Teile, die Rahmen, Bordüren, die Drape­rie, sind nur in geringen Resten angetroffen und weitgehend ergänzt worden.

Im Kirchturm hat sich noch eine Tafel mit den Namen der Teilnehmer an den Befreiungs­kriegen (1813/15) erhalten mit der Überschrift: „Nahmen derer aus Datterode die für Gott für Fürst und fürs Vaterland im heiligen Kampfe stehen und streiten 1814“ (Anm.: Nach Aussagen älterer Bewohner waren in der Turmhalle auf der unteren Ebene des Schiffes bis zur Renovierung 1961/62 Tafeln mit den Namen der gefallenen Datteröder des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 angebracht. Inwieweit es sich um die gleichen Tafeln handelte, ist ungeklärt. Im Glockenturm selbst wurde aktuell keine Tafel vorgefunden.).

Hinzuweisen ist noch darauf, dass sich eine Uhr im Kirchturm bis ins Jahr 1675 zurück­verfolgen lässt. In der Kirchenrechnung 1675 werden dem Schulmeister jährlich 2 Reich­staler „für Zeiger zu stellen“ gezahlt. Diese Uhr bereitete häufig Sorgen und Kosten. So erhält der Uhrmacher Eifert zu Netra für die Reparatur 12 Taler 12 Groschen, jedoch nur zu der Bedingung, zwei Jahre Garantie für seine Arbeit zu gewähren.


Das alte Schlagwerk der Kirchturmuhr


 

Den Akten der Pfarreirepositur sind ferner interessante Nachrichten zu entnehmen. 1839 ging es um die Frage: Neubau des Kirchenschiffs oder durchgreifende Renovie­rung des bestehenden Baues. Es fehlte an Platz für die größer gewordene Gemeinde. Pfarrer Jacobi plädierte für einen Neubau, der etwa 800 Taler kosten sollte. Daraufhin wurde er als Liebhaber von übergroßen Palästen und Gebäuden bezeichnet. Damals wurde bereits die Verlegung der unteren Eingangstür in den Turm erwogen, um mehr Platz zu gewinnen, was aber erst 1961/62 verwirklicht wurde. Mehr Licht im Kirchen­schiff wollte man durch den Einbau „egaler großer Fenster an der Mittagsseite“ gewin­nen. Nach dem Umbau sollte man „114 Weiber- und 130 Männerstände“ (auf den Empo­ren) erhalten. 1844-1846 wurde der Umbau durchgeführt; zu einem Neubau fehlte es an Geld, somit ist das hochmittelalterliche Kirchenschiff mit dem spätmittelalterlichen Chor erhalten geblieben. Die 1844 entfernten alten Emporen sollen eine Datierung 1556 gezeigt haben (Kataster Datterode, Spezialvorbeschreibung von 1844, § 13).


Konfirmation 1961 mit Pfarrer Dippel; noch deutlich sichtbar der alte Zugang zum Kirchenschiff,
der Weg von der Treppe über den Kirchrain war mit Kopfsteinpflaster versehen.



Konfirmation 1963 mit Pfarrer Dippel – die Renovierung der Kirche ist abgeschlossen,
der neue Eingang über die Turmhalle ist gebrochen und der neue Treppenvorbau erstellt.
In der Folge wird der gepflasterte Weg zum ehemaligen Eingang beseitigt, das rechts anschließende Kirchenvorfeld mittels
der alten Angersteine gartenartig gefasst.

 

Zusammenfassende Darstellung der Baugeschichte

Das Kirchenschiff ist im Kernbestand noch romanisch (12. Jahrhundert); später, aber noch in hochmittelalterlicher Zeit, wurde der West-Querturm an das Schiff gefügt. Turm und Schiff sind durch eine Baunaht als in zwei Abschnitten entstanden ausgewiesen. Wohl im 14. oder frühen 15. Jahrhundert ist der Turm umgebaut worden. Damals erhielt er die Spitzbo­genpforte zu den Obergeschossen, ferner die schmalen. spitzbogigen Fenster; Anzei­chen für eine Aufstockung sind nicht vorhanden. Wahrscheinlich wurde in diesem Zusammenhang auch die ursprüngliche Geschosseinteilung zugunsten einer neuen auf­gegeben. Ob der Turmsockel damals erst entstanden ist, bleibt fraglich. Der Chor ist im Spätmittelalter (vielleicht erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) an das Langhaus angebaut worden. Er war ursprünglich gewölbt; das Gewölbe wurde aber noch vor Anbringung der spätgotischen Wandmalereien (um 1500), die seit 1960/61 freigelegt sind, wieder her­ausgenommen. Die Turmhaube entstand 1844.


Spitze der Turmhaube in ihrer Form bis 2010

Damals entstanden auch die Emporen und die großen Segmentbogenfenster, vermutlich nach Plänen des Landbaumeisters Jakob Anton Spangenberg. Die hochgelegenen romanischen

Langhausfenster dürfen im Rahmen des erhaltenen Denkmalbestandes besondere Beachtung beanspruchen. Es sind die höchstgelegenen Fenster an einer romanischen Landkirche, die auf die Wehrfunktion des hochmittelalterlichen Langhauses hinweisen. Ihrer Lage wegen würde man bei ihnen an Obergadenfenster einer dreischiffigen Anlage denken, was jedoch für die Pfarrkirche in Datterode auszuschließen ist.

 

Unsere Kirche in Datterode im Wandel der Zeit - Kurzform
zusammengestellt vom Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Datterode

Zeitschiene (zur Orientierung)

    • frühes Mittelalter
    • hohes Mittelalter
    • spätes Mittelalter
    • Zeitenwende, Glaubensspaltung
    • Vernunft
    • Restauration und Revolution
  • Nationalstaatentum, Kolonialismus
    • Romantik
    • Gotik
    • Renaissance
  • Barock
    • Romantik
  • Klassizismus
    • Jugendstil
  • Nur wenige Landkirchen Nordhessens vermögen eine so deutliche Vorstellung der gemalten Ausstattung einer spätmittelalterlichen Dorfkirche zu vermitteln wie die unsere in Datterode.
  • Die Fresken wurden von unbekannten Malern im Mittelalter hauptsächlich in Erdfarben (rot, ocker, tiefes grün, braun und schwarz) gefertigt.
  • Nach der Reformation wurden sie auf Befehl des Landgrafen Moritz übertüncht und erst 1959 bei einer Kirchenrenovierung wiederentdeckt.
  • 1188 wurde unsere Kirche erstmals erwähnt. Schon 1353 wurde erstmals der Name eines Pfarrers genannt.
  • Unser Kirchenschiff ist romanischen Ursprungs. Der Chor ist spätgotisch.
  • Der Turm hat eine Gesamthöhe von ca. 20,50 m und umfasst die Fläche von 6,10 x 7,60 m und besteht aus kleinteiligem Bruchsteinmauerwerk.
  • Die Geschosseinteilung war ursprünglich eine andere.
  • Der Chorraum ist spätgotisch und aus großen Steinformaten gebaut.
  • Die vier spätgotischen Maßwerkfenster wurden ca. 1844 in der Bogenzone vergrößert.
  • Alle Langfenster sind Segmentbogenfenster, vermutlich auch aus dem Jahre 1844.
  • Das romanische Mauerwerk ist an der Nordwand in voller Höhe erhalten.
  • Die Südseite wurde 1844 stärker ausgebessert.
  • Der jetzige Zugang zum Kirchenschiff wurde erst 1962 angelegt, gleichzeitig wurde das im westlichen Teil der Südwand gelegene Portal zugesetzt.
  • Das Langhaus (länglicher Saal) hat Emporen an Nord- und Westwand – die Orgelempore ist weit in den Raum gezogen.
  • Die Emporen werden von Rundstützen getragen, die ein kapitellartiges Kopfstück zeigen – der toskanischen Säulenordnung entlehnt.
  • Die Empore zeigt klassizistische Elemente.
  • Unsere Orgel ist eine barocke Dorfkirchenorgel aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • 1962 wurde die Empore auf der Südseite entfernt.
  • Die alte Kanzel wurde 1962 zum heutigen transportablen Ambo (erhöhtes Lesepult) umgebaut.
  • Der gemauerte Blockaltar mit einer Mensa, die als Profil eine steile Kehle sowie eine Platte aufweist, stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Die Altarplatte musste stark überarbeitet werden.
  • Der Altar wurde bei der Renovierung 1962 zurückgesetzt.
  • Seitlich neben der Kanzel ist noch der ehemalige Priester- oder Diakonsitz zu erkennen.
  • Des Weiteren befinden sich auf dieser Seite zwei Einschlüsse die für sakrale Gegenstände benutzt wurden.
  • Bis 1962 befand sich um den Altar an den Wänden noch die Bestuhlung in hölzernen Verschlägen, die nur dem Kirchenvorstand vorbehalten war. Davor saßen, durch ein Holzgitter bzw. Tür getrennt, die Konfirmanden.
  • Bis in die jüngste Vergangenheit hatte sich der Brauch gehalten, dass Männer grundsätzlich auf der Empore Platz nahmen und die Frauen und Kinder unten im Kirchenschiff.
  • Lange Zeit hatte jede Familie ihre angestammte Bankreihe.
  • Auch das Abendmahl wurde zuerst geschlossen von den Männern eingenommen, dann kamen die Frauen. Kinder durften bis vor ein paar Jahren nicht am Abendmahl teilnehmen.
  • Zur Erhaltung der Bausubstanz wurden im Laufe der Jahre einige Maßnahmen durchgeführt. Leider trifft dies auf die Erhaltung der doch sehr wertvollen und für unsere Region seltenen Fresken nicht zu. Die Restauration erfordert erhebliche finanzielle Aufwendungen, für die keine öffentlichen Mittel zur Verfügung stehen.

Zurzeit sammelt die Kirchengemeinde Datterode Spenden, um die Fresken sanieren zu können. Die Spendensumme wird von der Landeskirche verdoppelt werden. Es ist zu hoffen, dass genügend Geld zusammen kommt, um dem weiteren Vergang der Fresken entgegen zu wirken.
Spenden auch Sie!

Hier das Spendenkonto:
Konto-Nr. 2432200
VR-Bank Werra-Meißner eG
BLZ 52260385
Sichtwort: „Fresken Kirche Datterode“

 

Alle Gottes Schöpfung Zugewandten freuen sich übrigens jedes Jahr aufs Neue, wenn das Turmfalkenpärchen (der Turmfalke ist übrigens „Vogel des Jahres" 2008) in der x-ten Generation im Kirchturm für Nachwuchs sorgt und auch die Mauersegler ihre Nester in der Turmmauer beziehen.

Bilder "Rund um die Kirche"