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Das Gotteshaus - Die evangelische Pfarrkirche zu Datterode

 

Den Akten der Pfarreirepositur sind ferner interessante Nachrichten zu entnehmen. 1839 ging es um die Frage: Neubau des Kirchenschiffs oder durchgreifende Renovie­rung des bestehenden Baues. Es fehlte an Platz für die größer gewordene Gemeinde. Pfarrer Jacobi plädierte für einen Neubau, der etwa 800 Taler kosten sollte. Daraufhin wurde er als Liebhaber von übergroßen Palästen und Gebäuden bezeichnet. Damals wurde bereits die Verlegung der unteren Eingangstür in den Turm erwogen, um mehr Platz zu gewinnen, was aber erst 1961/62 verwirklicht wurde. Mehr Licht im Kirchen­schiff wollte man durch den Einbau „egaler großer Fenster an der Mittagsseite“ gewin­nen. Nach dem Umbau sollte man „114 Weiber- und 130 Männerstände“ (auf den Empo­ren) erhalten. 1844-1846 wurde der Umbau durchgeführt; zu einem Neubau fehlte es an Geld, somit ist das hochmittelalterliche Kirchenschiff mit dem spätmittelalterlichen Chor erhalten geblieben. Die 1844 entfernten alten Emporen sollen eine Datierung 1556 gezeigt haben (Kataster Datterode, Spezialvorbeschreibung von 1844, § 13).


Konfirmation 1961 mit Pfarrer Dippel; noch deutlich sichtbar der alte Zugang zum Kirchenschiff,
der Weg von der Treppe über den Kirchrain war mit Kopfsteinpflaster versehen.



Konfirmation 1963 mit Pfarrer Dippel – die Renovierung der Kirche ist abgeschlossen,
der neue Eingang über die Turmhalle ist gebrochen und der neue Treppenvorbau erstellt.
In der Folge wird der gepflasterte Weg zum ehemaligen Eingang beseitigt, das rechts anschließende Kirchenvorfeld mittels
der alten Angersteine gartenartig gefasst.

 

Zusammenfassende Darstellung der Baugeschichte

Das Kirchenschiff ist im Kernbestand noch romanisch (12. Jahrhundert); später, aber noch in hochmittelalterlicher Zeit, wurde der West-Querturm an das Schiff gefügt. Turm und Schiff sind durch eine Baunaht als in zwei Abschnitten entstanden ausgewiesen. Wohl im 14. oder frühen 15. Jahrhundert ist der Turm umgebaut worden. Damals erhielt er die Spitzbo­genpforte zu den Obergeschossen, ferner die schmalen. spitzbogigen Fenster; Anzei­chen für eine Aufstockung sind nicht vorhanden. Wahrscheinlich wurde in diesem Zusammenhang auch die ursprüngliche Geschosseinteilung zugunsten einer neuen auf­gegeben. Ob der Turmsockel damals erst entstanden ist, bleibt fraglich. Der Chor ist im Spätmittelalter (vielleicht erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) an das Langhaus angebaut worden. Er war ursprünglich gewölbt; das Gewölbe wurde aber noch vor Anbringung der spätgotischen Wandmalereien (um 1500), die seit 1960/61 freigelegt sind, wieder her­ausgenommen. Die Turmhaube entstand 1844.


Spitze der Turmhaube in ihrer Form bis 2010

Damals entstanden auch die Emporen und die großen Segmentbogenfenster, vermutlich nach Plänen des Landbaumeisters Jakob Anton Spangenberg. Die hochgelegenen romanischen

Langhausfenster dürfen im Rahmen des erhaltenen Denkmalbestandes besondere Beachtung beanspruchen. Es sind die höchstgelegenen Fenster an einer romanischen Landkirche, die auf die Wehrfunktion des hochmittelalterlichen Langhauses hinweisen. Ihrer Lage wegen würde man bei ihnen an Obergadenfenster einer dreischiffigen Anlage denken, was jedoch für die Pfarrkirche in Datterode auszuschließen ist.

 

Unsere Kirche in Datterode im Wandel der Zeit - Kurzform
zusammengestellt vom Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Datterode

Zeitschiene (zur Orientierung)

    • frühes Mittelalter
    • hohes Mittelalter
    • spätes Mittelalter
    • Zeitenwende, Glaubensspaltung
    • Vernunft
    • Restauration und Revolution
  • Nationalstaatentum, Kolonialismus
    • Romantik
    • Gotik
    • Renaissance
  • Barock
    • Romantik
  • Klassizismus
    • Jugendstil
  • Nur wenige Landkirchen Nordhessens vermögen eine so deutliche Vorstellung der gemalten Ausstattung einer spätmittelalterlichen Dorfkirche zu vermitteln wie die unsere in Datterode.
  • Die Fresken wurden von unbekannten Malern im Mittelalter hauptsächlich in Erdfarben (rot, ocker, tiefes grün, braun und schwarz) gefertigt.
  • Nach der Reformation wurden sie auf Befehl des Landgrafen Moritz übertüncht und erst 1959 bei einer Kirchenrenovierung wiederentdeckt.
  • 1188 wurde unsere Kirche erstmals erwähnt. Schon 1353 wurde erstmals der Name eines Pfarrers genannt.
  • Unser Kirchenschiff ist romanischen Ursprungs. Der Chor ist spätgotisch.
  • Der Turm hat eine Gesamthöhe von ca. 20,50 m und umfasst die Fläche von 6,10 x 7,60 m und besteht aus kleinteiligem Bruchsteinmauerwerk.
  • Die Geschosseinteilung war ursprünglich eine andere.
  • Der Chorraum ist spätgotisch und aus großen Steinformaten gebaut.
  • Die vier spätgotischen Maßwerkfenster wurden ca. 1844 in der Bogenzone vergrößert.
  • Alle Langfenster sind Segmentbogenfenster, vermutlich auch aus dem Jahre 1844.
  • Das romanische Mauerwerk ist an der Nordwand in voller Höhe erhalten.
  • Die Südseite wurde 1844 stärker ausgebessert.
  • Der jetzige Zugang zum Kirchenschiff wurde erst 1962 angelegt, gleichzeitig wurde das im westlichen Teil der Südwand gelegene Portal zugesetzt.
  • Das Langhaus (länglicher Saal) hat Emporen an Nord- und Westwand – die Orgelempore ist weit in den Raum gezogen.
  • Die Emporen werden von Rundstützen getragen, die ein kapitellartiges Kopfstück zeigen – der toskanischen Säulenordnung entlehnt.
  • Die Empore zeigt klassizistische Elemente.
  • Unsere Orgel ist eine barocke Dorfkirchenorgel aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
  • 1962 wurde die Empore auf der Südseite entfernt.
  • Die alte Kanzel wurde 1962 zum heutigen transportablen Ambo (erhöhtes Lesepult) umgebaut.
  • Der gemauerte Blockaltar mit einer Mensa, die als Profil eine steile Kehle sowie eine Platte aufweist, stammt vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Die Altarplatte musste stark überarbeitet werden.
  • Der Altar wurde bei der Renovierung 1962 zurückgesetzt.
  • Seitlich neben der Kanzel ist noch der ehemalige Priester- oder Diakonsitz zu erkennen.
  • Des Weiteren befinden sich auf dieser Seite zwei Einschlüsse die für sakrale Gegenstände benutzt wurden.
  • Bis 1962 befand sich um den Altar an den Wänden noch die Bestuhlung in hölzernen Verschlägen, die nur dem Kirchenvorstand vorbehalten war. Davor saßen, durch ein Holzgitter bzw. Tür getrennt, die Konfirmanden.
  • Bis in die jüngste Vergangenheit hatte sich der Brauch gehalten, dass Männer grundsätzlich auf der Empore Platz nahmen und die Frauen und Kinder unten im Kirchenschiff.
  • Lange Zeit hatte jede Familie ihre angestammte Bankreihe.
  • Auch das Abendmahl wurde zuerst geschlossen von den Männern eingenommen, dann kamen die Frauen. Kinder durften bis vor ein paar Jahren nicht am Abendmahl teilnehmen.
  • Zur Erhaltung der Bausubstanz wurden im Laufe der Jahre einige Maßnahmen durchgeführt. Leider trifft dies auf die Erhaltung der doch sehr wertvollen und für unsere Region seltenen Fresken nicht zu. Die Restauration erfordert erhebliche finanzielle Aufwendungen, für die keine öffentlichen Mittel zur Verfügung stehen.

Zurzeit sammelt die Kirchengemeinde Datterode Spenden, um die Fresken sanieren zu können. Die Spendensumme wird von der Landeskirche verdoppelt werden. Es ist zu hoffen, dass genügend Geld zusammen kommt, um dem weiteren Vergang der Fresken entgegen zu wirken.
Spenden auch Sie!

Hier das Spendenkonto:
Konto-Nr. 2432200
VR-Bank Werra-Meißner eG
BLZ 52260385
Sichtwort: „Fresken Kirche Datterode“

 

Alle Gottes Schöpfung Zugewandten freuen sich übrigens jedes Jahr aufs Neue, wenn das Turmfalkenpärchen (der Turmfalke ist übrigens „Vogel des Jahres" 2008) in der x-ten Generation im Kirchturm für Nachwuchs sorgt und auch die Mauersegler ihre Nester in der Turmmauer beziehen.

Bilder "Rund um die Kirche"