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Das Gotteshaus - Die evangelische Pfarrkirche zu Datterode

Auch rechts von der Orgel sind Reste von nicht mehr im Einzelnen festlegbaren Szenen aufgedeckt worden, davon lässt sich nur eine Geißelszene und - in der Nähe des 2. Fensters von Westen - ein Fußfall deuten.


Nicht abgehandelte und ungeklärte Person im linken Fenstergewände des westlichen Fensters der Südseite
Den aufgedeckten und größtenteils wiederhergestellten Malereien in der Pfarrkirche zu Datterode kommt eine Bedeutung insoweit zu, als es sich hier um eines der umfangreichsten erhalten gebliebenen Beispiele einer im Spätmittelalter ausgemalten Dorfkirche handelt. Die künstlerische Qualität der Malereien ist dagegen eher als bescheiden zu qualifizieren. Die Heiligenfiguren mit jeweils leicht typisiertem Gesichtsausdruck zeigen in ihrer Haltung und Gewandung das in der Zeit ihrer Ent­stehung Übliche, müssen wir doch damit rechnen, dass die hier tätigen Maler (oder sollte es sich nur um eine Malerpersönlichkeit gehandelt haben?) sich stark an Vorla­gen gehalten haben, so dass sich keine Züge einer maßgeblichen eigenständigen Künstlerpersönlichkeit fassen lassen. Die Heiligen sind, vor allem in ihren Köpfen, nicht ohne künstlerischen Reiz. Etwas Besonderes, in der Art der Unbefangenheit in der Darstellung, zeigen aber auch die Apostel. Hier wäre daran zu denken, dass sie einer anderen, ungeübteren Hand zu verdanken sind. Auffällig ist jedenfalls, dass sie - ohne ein Respektieren der vorgegebenen architektonischen Bedingungen - über die Wand verteilt wurden, teils als Vollfiguren, auf den geschlossenen Wandflächen, teils als Halbfiguren, wenn sich gerade darunter eine Fensteröffnung befand. Die Heili­genfiguren in der Fensterzone haben etwa Lebensgröße, sind also durchweg größer als die Apostel.

Zur Farbigkeit der Malereien: Es treten nur einige wenige Farben auf, durchweg mineralische Farben, größtenteils Erdfarben: Rot (Englischrot, z. T. heller abgetönt) als dominierende Farbe, Ocker, ein tiefes Grün, Braun (nur sehr wenig), Schwarz. Wie bereits erwähnt wurde, sind viele Retuschen bzw. Ergänzungen gele­gentlich der Renovierung der Malereien 1962 erforderlich gewesen, um eine einiger­maßen einheitliche Gesamterscheinung vor allem im Chor, wo sich am meisten erhal­ten hatte, zu erreichen. Die ornamentalen Teile, die Rahmen, Bordüren, die Drape­rie, sind nur in geringen Resten angetroffen und weitgehend ergänzt worden.

Im Kirchturm hat sich noch eine Tafel mit den Namen der Teilnehmer an den Befreiungs­kriegen (1813/15) erhalten mit der Überschrift: „Nahmen derer aus Datterode die für Gott für Fürst und fürs Vaterland im heiligen Kampfe stehen und streiten 1814“ (Anm.: Nach Aussagen älterer Bewohner waren in der Turmhalle auf der unteren Ebene des Schiffes bis zur Renovierung 1961/62 Tafeln mit den Namen der gefallenen Datteröder des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 angebracht. Inwieweit es sich um die gleichen Tafeln handelte, ist ungeklärt. Im Glockenturm selbst wurde aktuell keine Tafel vorgefunden.).

Hinzuweisen ist noch darauf, dass sich eine Uhr im Kirchturm bis ins Jahr 1675 zurück­verfolgen lässt. In der Kirchenrechnung 1675 werden dem Schulmeister jährlich 2 Reich­staler „für Zeiger zu stellen“ gezahlt. Diese Uhr bereitete häufig Sorgen und Kosten. So erhält der Uhrmacher Eifert zu Netra für die Reparatur 12 Taler 12 Groschen, jedoch nur zu der Bedingung, zwei Jahre Garantie für seine Arbeit zu gewähren.


Das alte Schlagwerk der Kirchturmuhr