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Das Gotteshaus - Die evangelische Pfarrkirche zu Datterode

Das linke Fenstergewände des südlichen Chorfensters zeigt uns einen Heiligen. der - ähnlich wie der zuvor genannte - mit einem langärmligen Gewand gekleidet ist; im angewinkelten Arm trägt er mit seiner Linken ein Buch, während seine Rechte sein Marterwerkzeug, einen Rost, hält. Durch dieses Attribut ist er einwandfrei zu deuten, der heilige Laurentius.

Das rechte Fenstergewände weist einen älteren numbierten Heiligen mit Buch in der Rechten und einem oben leicht gekrümmten Stab in der Linken auf. Er trägt ein gelbes Gewand und einen rotem Umhang. Einen ebensolchen Krummstab trägt der bärtige Heilige im rechten Gewände des westlichen Fensters der südlichen Langhauswand.

Die dritte, oberste Zone, die dem Apostelkollegium mit Christus in ihrer Mitte vorbe­halten ist, beginnt seitlich der Geburtsszene im nordöstlichen Chorpolygon. Zunächst sind zwei Apostel zu sehen, die so stark verblasst sind, dass sie nicht mehr gedeutet werden können. Lediglich der zweite Apostel zeigt noch das bei den meisten Jüngern Christi wiederkehrende Attribut, das Buch. Alle Apostel sind ausgesprochen volkstümlich dargestellt. Der dritte Apostel ist durch sein deutlich erkennbares Attri­but, ein schräg gestelltes Balkenkreuz. als Andreas ausgewiesen.

Direkt daneben erscheint über dem östlichen Fenster, dem Chorhauptfenster, die Halbfigur Christi, wobei Christus als Himmelsfürst dargestellt ist: Bartlos mit lang über die Schultern fallendem Haar gegeben, im linken angewinkelten Arm den Reichsapfel als Symbol seiner Himmelsherrschaft haltend, die Rechte im Redegestus erhoben.

Christus zur Linken erscheint zunächst Paulus mit seinen Attributen Schwert und Buch, ihm folgt in dem Zyklus der barhäuptige Petrus mit grauem Bart, der durch seinen Schlüssel hinreichend charakterisiert ist. Die beiden folgenden Apostel tragen offensichtlich Stäbe oder Keulen: Für sie kommen Jacobus major, Jacobus minor oder Judas infrage.

Der Erhaltungszustand der Figuren muss diese Frage offen lassen. Oder trägt die rech­te Halbfigur ein Messer. so dass es sich dabei um Bartholomäus handeln würde? Die nächste Ganzfigur mit rotem Gewand ist wohl als Matthäus, der Zöllner, anzuspre­chen, da er Buch und Beutel als Attribute trägt. Ihm zur Linken erscheint Philippus, der Kreuzstab und Buch trägt. Die nächste Figur ist durch die fragmentarische Erhal­tung ihrer Attribute nicht einwandfrei zu deuten; trägt der Apostel Winkelmaß und Spieß, was leider nicht ganz klar ist, würde es sich um Thomas handeln.

Ob er von Jacobus major mit Hut und Stab gefolgt wird, lässt sich leider auch nicht mit Gewissheit angeben. Schließlich erscheint noch der jugendliche bartlose Johannes, mit sei­ner Rechten auf sein Attribut, den Kelch, weisend.

Die merkwürdigste Darstellung, die bisher noch keine schlüssige Deutung gefunden hat, ist ein seitlich an Johannes in roten Konturlinien gegebenes Haus mit Satteldach und offenem Dachreiter, den ein verschindeltes (?) Kegeldach abschließt. Das Gebäude werden wir als Kapelle deuten dürfen, da in seinem Dachstuhl eine frei schwingende Glocke zu sehen ist. Eine Klärung dieser Darstellung ist nicht möglich, da die westlichen Partien des Bildes bei der Vergrößerung eines Fensters (daneben) um 1844 zerstört wurden. Vermutlich ist die Kirche Teil einer Szene aus einer Heiligenvita.

Gleichfalls undeutbar ist die durch eine Borte getrennte Darstellung darunter, die eine barhäuptige Figur mit weitärmligem Mantel und erhobener Rechten zeigt, die offensichtlich auf eine verloren gegangene Figur oder Szene gewiesen hat.

Zwischen dem südwestlichen Langhausfenster und dem Emporenzugang hat sich die eindrucksvollste Darstellung der spätmittelalterlichen Ausmalung der Kirche erhal­ten: Die Darstellung des Richtenden Christus, in einer spitzovalen Mandorla ein vor einem in drei Farbtönen wiedergegebenen Regenbogen stehender Christus, die Arme im Segensgestus ausgebreitet. Er ist in einen, großen purpurfarbenen Mantel gehüllt, der im Brustbereich geöffnet ist und die Wundmale sichtbar werden lässt; sein bärtiges numbiertes Haupt ist leicht nach rechts gewendet. Hinter seinem Heiligenschein liegt links ein Zweig (rechts von Christus), der Sprossen und eine Blüte zeigt; links von Christus erscheint - auf ihn weisend  - ein dolchartiges Schwert. Der leere Raum um Christus ist durch rote Sterne gefüllt, die das Weltall andeuten.



Außerhalb der Mandorla erscheinen seitlich dieser im oberen Bereich zwei  Engel mit Blasinstrumenten.

ier ist der Richtende Christus des Jüngsten Gerichts nach der Offenbarung des Johannes dargestellt: Christus thront auf einem Regenbogen (Himmelsbogen, Off. 4,3), sein Mund spricht die Worte des Gerichts für die Angenommenen (Lilienstab als Bild der unbestechlichen Reinheit) und Verdammten (Schwert, Off. 1, 16). Engel blasen zum Gericht, seine Füße ruhen auf der Erde (Matth. 5, 35). Leider musste ein großer Teil des Bildes ergänzt werden. Die Farben sind sehr spärlich einge­setzt, ein helles Ziegelrot dominiert, ferner treten ein Ockerton, ein lichtes Grün und Schwarz auf.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass sich Reste eines weiteren christolo­gischen Zyklus, eines Passionszyklus, erhalten haben. Links von der Orgel ist eine Passionsszene zu sehen, der Judasverrat.