deen

Lesung zur jüdischen Geschichte

Bemerkenswerte Resonanz auf interessantes Angebot
Lesungsthema „Spuren und Wege Datteröder Juden“ wurde belohnt


Über viele Jahre hat der Heimatverein Datterode e. V. (HVD) intensiv Informationen über die ehemalige jüdische Bevölkerung des Dorfes zusammengetragen. Mündliche Überlieferungen aus dem Dorf, die durch den Ehrenvorsitzenden Karl Beck bereits vor Jahren erhoben worden waren, wurden ebenso konserviert und ausgewertet, wie Fotos sowie schriftliche Unterlagen aus Archiven. Der HVD war sehr dankbar, Herrn Dr. Karl Kollmann, Stadtarchiv Eschwege, für die diesjährige Lesung zur Mitgestaltung gewinnen zu können. Dr. Kollmann hat als Historiker u. a. auch zu den Juden aus Datterode geforscht und insbesondere durch seine wissenschaftliche Aufarbeitung des Themenkomplexes, vielfältige Veröffentlichungen und als einer der Protagonisten der 2012 in Eschwege durchgeführten mannigfaltigen Veranstaltungen einer überfälligen Erinnerungskultur den Boden auch für die Arbeit des HVD bereitet.

Während der Gastreferent die Quellen, Daten und Fakten zur jüdischen Ortsgeschichte vom 16. Jahrhundert beginnend darstellte, war es dann am HVD – namentlich an seinem Vorsitzenden, die Geschichte der Neu- bis in die Jetztzeit zu ergänzen. Mit Hilfe des präsentierten Fotomaterials, dass das Auditorium im proppenvollen Lesungsraum in alte Zeiten des Dorfes zurückführte (und teils vor echte Orientierungsprobleme stellte), wurde zur Siedlungsgeschichte der religiösen Minderheit ebenso referiert, wie zu den Wegen, die manche Jüdinnen und Juden von Datterode in die „weite Welt“ antraten. Interessant zu verfolgen waren ohne Zweifel die weltweiten Spuren insbesondere der beiden Familien Löbenstein und Pfifferling. Dr. Kollmann erläuterte u. a., dass mindestens die Hälfte aller Löbensteins der Welt – und das sind nicht wenige –  ihre familiären Spuren nach Datterode zurückverfolgen können.


Ein Blick in das Auditorium

Die Beschäftigung mit der Neuzeit führte über das 19. in das 20. und zuletzt in das 21. Jahrhundert. Von voller Integration in der Dorfgemeinschaft, über die Verfolgung während der Nazi-Diktatur, bis zu Familiengeschichten unserer Tage. So erfreulich die Tatsache, dass bis 1933 in Datterode wie anderenorts die Menschen gut mit einander auskamen, so war es sehr bewegend festzustellen, wie sich dies nach dem 30. Januar 1933 auch im Dorf veränderte. Die aus Datterode kommenden und/oder hier geborenen Jüdinnen und Juden wurden mit Foto und ihren Schicksalen den Besucherinnen und Besuchern ebenso dargestellt, wie die Geschichten derer, die rechtzeitig auswandern oder flüchten konnten. Zu Letzteren wurden die Familiengeschichten bis zum heutigen Tage in Wort und Bild ergänzt. Exponate aus jüdischem Besitz, stumme Zeugen aus alter Zeit, aber auch Buchmaterial zum Thema regten die Gäste zudem zur persönlichen Auseinandersetzung mit diesem Teil unserer Geschichte an.


Exponate

Das Publikum – überraschend viele davon aus der näheren und weiteren Region – dankte den Vortragenden mit viel Applaus. Als Dankeschön für die hochinformative Mitgestaltung überreichte der HVD-Vorsitzende Dr. Kollmann eine Flasche „Vereinswein“.


HVD-Vorsitzender Thomas Beck (links) bedankt sich bei Dr. Kollmann mit einer Flasche „Vereinswein“

Bei allen Besucherinnen und Besuchern bedanken wir uns auf diesem Wege nochmals herzlich für ihr Interesse. Ein großes Dankeschön für einen sehr gelungenen Nachmittag allen Beteiligten.