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„Streibelein“-Lesung war ein voller Erfolg

Fast bis auf den letzten Platz gefüllt war der alte Klassenraum in der ehemaligen Schule - dem heutigen „Haus des Gastes“ - in Datterode anlässlich der 2. Lesung des Heimatvereins Datterode (HVD) am 8. Dezember. Rund 50 Zuhörer und Zuhörerinnen bekundeten damit ihr Interesse an den Geschichten und Geschichtchen von und um den in der Region berühmten Pfarrer Emanuel George Christian Streibelein. Weitere Gäste aufzunehmen, wäre nahezu nicht möglich gewesen! Die einmaligen Kuriosa, die von Heinrich Ruppel im Jahre 1953 aufgeschrieben wurden, brachten die Gäste zurück in die sogenannte „Franzosenzeit“, als das Hessenland wie viele andere Länder von den Truppen Napoleons besetzt war und unsere Region dem „Königreich Westfalen“ angehörte. Die Besucher und Besucherinnen aller Altersgruppen amüsierten sich prächtig über die kurzweiligen Schilderungen.
Sehr erfreut waren Veranstalter und Gäste, dass die quasi Amtsnachfolger des Herrn Streibelein, der heutige Pfarrer zu Rambach, Rüdiger Pütz und sein Amtsbruder Ralph Beyer aus Oetmannshausen mit ihren Gattinnen der Einladung gefolgt waren. Dies wurde mit Applaus bedacht. Rambach und Oetmannshausen waren im Übrigen die Pfarrstellen, die Streibelein neben weiteren in Völkershausen und Frielendorf bei Guxhagen damals bekleidet hatte. Herr Beyer überreichte dem Vorsitzenden es HVD eine gerahmte Kopie eines Schreibens aus dem Jahre 1831, das von Pfarrer Streibelein verfasst worden war.

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v. l. Pfarrer Beyer, Pfarrer Pütz und
HVD-Vorsitzender Thomas Beck

Streibelein war ein deutscher Patriot, und die Zeit der französischen Besetzung (1806 - 1813) erlebte er in Rambach. Kurfürst Wilhelm II. war in das Exil nach Prag geflüchtet, sollte aber weiterhin mit Nachrichten aus der Heimat versorgt werden. Streibelein brachte auf verschlungenen Wegen die wertvollen Briefe von Eschwege nach Thüringen. Erlebte er als Pfarrer die Franzosenzeit noch bis zu seiner Festnahme (aufgrund seiner widerspenstigen Handlungen) durch die Besatzer in Rambach und Weißenborn, wurde er vom Landesherrn nach dessen Rückkehr aus der Immigration nach Oetmannshausen versetzt und musste auch die Gemeinde Wipperode (heute zusammen mit dem ehemaligen Bernsdorf, Gemeinde Vierbach) mit betreuen. Die ausgewählten Geschichten, die Heinrich Ruppel unter dem Titel „Herr Sträubelein – Eine Schelmengeschichte in Anekdoten“ veröffentlichte, zeigen einen Mann Gottes, der mit Mutterwitz und Spottlustigkeit der Obrigkeit den Spiegel vorhielt und seinen Pfarrkindern mit kernigen Worten das Evangelium predigte. Lachen war vorprogrammiert.

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Blick in den gefüllten Klassenraum

„Dass Du kein vorbildlicher Pfarrer warst, an dem seine Amtsbrüder eitel Wohlgefallen haben konnten, sondern ein ganz erdhafter Mensch mit Mängeln und Schwächen, das weiß das Volk, und das eben bringt Dich ihm so nahe. Denn es weiß auch, dass Du in schwerer Zeit furchtlos und treu warst, ein deutscher Mann, dessen Leben mühselig und sorgenbelastet und zuletzt ein wenig verworren war. Und deshalb bewahrt es Dich in einem feinen, guten Herzen und würzt sich mit Deinen Worten und Taten noch heute die festlichen Stunden des Lebens. Du selbst bleibst lebendig unter uns, Du pfarrherrlicher Schelm mit dem Heldenschild, Emanuel George Christian Streibelein.“ So schreibt Ruppel im Nachruf. Diese Beschreibung eines wahren Seelsorgers können nun alle Gäste, die zu der Lesung erschienen waren, nachvollziehen und unterstreichen. Wahrlich festliche Stunden und wieder eine sehr gelungene Veranstaltung des HVD, die Dank der großen Resonanz zeigt, dass wir auf einem guten Wege sind. Wer nicht da war und die Atmosphäre nicht erlebte, hat in der Tat einen kulturellen Höhepunkt im dörlichen Leben verpasst! Dies bestätigten die Gäste beim anschließenden gemütlichen Beisammensein. Der HVD sagt auf diesem Weg nochmals Danke an alle Besucher und Besucherinnen.