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Datteröder Denkmaltopografie und Kulturdenkmäler

In der Dorfchronik anlässlich der 850. Jahrfeier Datterodes 1991 finden wir in der Passage über die Dorferneuerung bereits eine nachdenkenswerte Aussage des damaligen Ortsvorstehers von Datterode Heinrich Ronshausen: „In unserem Ort sind leider in den vergangenen Jahren sehr viele erhaltenswerte Fachwerkhäuser abgebrochen worden, die man hätte renovieren können, um eine bessere Wohnqualität zu erlangen. Dies wurde auch von der Fachbehörde im Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung bekundet und die fehlende Fachwerksubstanz bedauert.“

Nun verehrte Leserin, verehrter Leser, 17 Jahre nach der treffenden Feststellung des damaligen Ortsvorstehers können wir konstatieren, dass - auch bei einzelnen gelungenen Renovierungsanstrengungen - der Bestand erhaltenswerter Gebäude abgenommen hat bzw. der Verfall fortgeschritten ist.

In der Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland – Kulturdenkmäler in Hessen – Werra-Meißner-Kreis I – Altkreis Eschwege; Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Verlag Friedrich Viehweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1991, wurden seinerzeit die folgenden historisch bedeutsamen Häuser in Datterode katalogisiert (Erläuterungen sind aus der Denkmaltopographie zitiert):

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„Am Kirchrain 3“
Kleinmaßstäbliches Tagelöhnerhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche in klarer,
kräftiger Fachwerkkonstruktion. Das aus orts- und sozialgeschichtlichen Gründen
schützenswerte Gebäude wurde erbaut um 1780


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„Brunnenstraße 12/14“
Der Komplex der Untermühle besteht aus dem 1764 datierten Wohnhaus (links) und den Wirtschaftsgebäuden (Mitte), die von 1909 bis 1911 errichtet wurden. Das Wohnhaus zeigt ein kräftiges Fachwerkgefüge mit Mannfiguren an Eck- und Bundständern, die Wirtschaftsgebäude bestehen aus einem konstruktiven Fachwerkgerüst mit geschosshohen gegenläufigen Streben. Das wassergetriebene Horizontalgatter (rechts) zum Zersägen von Baumstämmen ist bis heute funktionstüchtig.

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„Brunnenstraße 7“
Zusammen mit der rechtwinklig angefügten Scheune
(inzwischen abgerissen; das Haus verfällt ebenfalls zusehends) ist das Tagelöhnerhaus aus
dem Ende des 18. Jahrhunderts Kulturdenkmal aus orts- und sozialgeschichtlichen Gründen.


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„Leipziger Straße 6“
Giebelständiges Wohnhaus an ortsbildprägender Ecklage im Zuge der Durchgangsstraße aus der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts mit Mannfiguren an den Eckständern; dazwischen angedeutetes Leitermotiv.


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„Alte Straße 2“ – gestern und heute
Traufständiges Wohnhaus über einem hohen Sandsteinsockel mit Mansarddach und eingefügtem Zwerchhaus.
Das kräftige Fachwerkgefüge aus ¾-Streben mit Brust- und Sturzriegeln weist auf eine Erbauungszeit um 1800.

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„Mühlgasse15“ – gestern und heute
Die von der Netra betriebene Obermühle, die erstmals im Jahr 1567 erwähnt wird, besteht aus einem um 1880 errichteten
Wohnhaus und dem gleichzeitig entstandenen Wirtschaftstrakt. Als Beispiel eines alten dörflichen Wirtschaftshofes
ist die Anlage aus städtebaulichen und ortsgeschichtlichen Gründen erhaltenswert (das Fachwerk ist inzwischen frei gelegt;
die Wirtschaftsgebäude, links noch zu erkennen, sind abgerissen. Das erkennbare Mühlrad wurde später überbaut).



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„Harmuthsbach 10“ – gestern und heute
Zweigeschossiges Wohnhaus aus dem Jahr 1695 mit einer traufseitig ausgebildeten Schaufassade; dort Flachschnitzdekor
an den Mannfiguren der Eckständer sowie Fußstreben im Brüstungsbereich. An der Giebelseite im Untergeschoss dichtstehende
Stiele. Als erhaltenes Wohnhaus einer Hofanlage in diesem Teil des Straßenzuges ist das Gebäude aus städtebaulichen
und ortsgeschichtlichen Gründen erhaltenswert (vgl. dazu „Die Barnhouse-Linde“).

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„Harmuthsbach 2“
Giebelständiges Wohnhaus aus dem Ende des 18.Jahrhunderts in zwei Geschossen über
hohem, massivem Sockel mit modernem Anbau. Im Obergeschoss lebhaftes Fachwerkgefüge mit Mannfiguren
an den Eck- und Bundständern, zum Teil mit geschweißten Fußstreben; dazwischen angedeutetes Leitermotiv.

 

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„Mühlgasse 10 – Wirtschaftsgebäude, links, ohne Nummer“
Das scheunenähnliche Holzgebäude beherbergt eine Schrotmühle mit einem
vollständigen, wasserbetriebenen Schrotgang sowie weiteren Mahlgängen in zum
Teil vorzüglichem Erhaltungszustand.


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„Mühlgasse 5“
Hakenförmige Hofanlage mit einem um 1780 errichteten Wohnhaus in einer lebhaften, klar gegliederten
Fachwerkkonfiguration: An den Eck- und Bundständern beider Geschosse prägen Mannfiguren mit Hals-
und Brustriegeln das Gefüge, dazwischen bilden die aneinander gereihten Sprossen eines Leitermotivs eine friesartige
Reihung. Wirtschaftsgebäude in konstruktivem Fachwerk über massivem Untergeschoss
(in der 90er Jahren des letzten Jahrhunderts aufwendig erneuert bzw. renoviert).


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„Am Kirchrain 1“
Kleinmaßstäbliches Tagelöhnerhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche in klarer,
kräftiger Fachwerkkonstruktion. Das aus orts- und sozialgeschichtlichen Gründen schützenswerte
Gebäude wurde um 1780 erbaut (und Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts abgerissen).