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Aus der Geschichte Datterodes

Für Datterode darf eine alte Besiedlung angenommen werden. Dafür sprechen Funde aus der jüngeren Steinzeit (4000-2000 v. Christus), aus der Bronzezeit (2000-1000 v. Christus) und aus der Hallstattzeit (1000-700 v. Christus). Der Wasserreichtum in diesem Raum ließ eine Reihe von Siedlungen um Datterode entstehen. Ob diese nun jünger oder älter als Datterode selbst waren, ist heute nur schwer feststellbar. Landschaftlich zwar äußerst reizvoll gelegen, bot der karge Mergelboden der mittelalterlichen Landwirtschaft keine guten Bedingungen. Der zum Teil knappe und spärliche Boden ließ eine Großsiedlung nicht zu. Es ist anzunehmen, dass die Rodungen schon sehr früh die heutige Ausdehnung erreichten. Dazu schreibt Dr. Herbert Gelsdorf 1: „Netraabwärts, schon außerhalb des Muschelkalkgebiets, liegt Datterode in einem rechte engen Talstück, das nur durch die Einmündung des Hasselbachtals von Nordosten und eines unbedeutenden Nebentals von Süden eine Hervorhebung erfährt. Datterode ist sohlenständig; es liegt ungünstig – was sich noch heute in den wirtschaftlichen Verhältnissen des Dorfes widerspiegelt – und hat als junge Siedlung nicht die Möglichkeit gehabt, den Platz zu wählen. Für die Ansiedler mochte die Nische des Hasselbachtals anziehend wirken. Die Kirche, aus dem 16. Jahrhundert (Anm.: Die Kirche in ihrer Grundform ist weitaus älter – siehe unter „Die Kirche“), liegt seitlich, hoch über der Talsohle am Eingang ins Hasselbachtal. Das Dorf im Ganzen fand aber auf der steilen Böschung keinen Platz und war genötigt, sich auf der Talsohle auszubreiten.

Eine weitaus günstigere Lage hat das benachbarte Gehöft Harmutshausen, das sicher älter als Datterode ist. Es liegt in einer weiten, zirkusförmigen Nische des Muschelkalkabhangs, unterhalb der Rötterrasse und im Quellenhorizont.

Eine Reihe von Wüstungen werden namhaft gemacht, die in und an der Grabenzone und im unteren Netratal anzunehmen sind. Die älteren, wie die auf –hausen (Wellerhausen, Helmarshausen), dazu das noch vorhandene Harmutshausen und die auf –bach (Hasselbach, Rettelbach) müssen einengend bei der Anlage von Datterode gewirkt haben, denn sie sind älteren Ursprungs. Nur die Lage von Wellershausen ist zu kennzeichnen: sohlenständig.“

Datterode wird 1140/41 erstmals erwähnt. In Otto Dobeneckers „Regesta diplomatica necnon epistilaria historiae Thuringiae“ 2 (etwa: Register der Urkunden oder auch Briefe der Geschichte Thüringens) lesen wir im Register I, Nr. 1433: „Dathenrot in pago Nedere“ (Datterode im (Amtsgerichts-) Bezirk Netra). Urthüringisches Land also, wobei sich Rudimente in Mundart und Tracht bis heute erhalten haben (vgl. „Die Datteröder Mundart“ und „Die Datteröder Tracht“). Urkundlich finden wir die Ersterwähnung in einer Urkunde des Erzbischofs Marcolf von Mainz vom 9. November 1141, in der der sog. „Zehnte“ u. a. von Datterode (Datdenroth) dem Kloster Northeim verschrieben wird. Obwohl diese Urkunde nur als Abschrift erhalten ist und von Forschern als eine Fälschung bezeichnet wird, um nicht vorhandene Besitztitel des Klosters Northeim nachzuweisen, dürfte an der Richtigkeit der angegebenen Ortsnamen kein Zweifel bestehen. Die Keimzelle des Dorfes bildeten wohl neun Häuser, die so um die Kirche herum angelegt waren, dass ein wehrbarer Innenhof entstand.

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Abschrift der Urkunde von 1141 durch Günther Schulze (1920-2007)

Eine weitere Erwähnung finden wir laut Dobenecker, Register II, Nr. 788 3, als Tattenrode am 13. Juni 1188. Kaiser Friedrich I. („Barbarossa“) stiftete auf der Boyneburg eine Kapelle und verlieh ihr u. a. einige Einkünfte von Datterode. Ein Pfarrer Datterodes wird u. a. 1353 genannt 4. Die Pfarrei war mit der Boyneburger Kapelle verbunden, wie auch die Geschichte Datterodes eng mit der Boyneburg verbunden (vgl. „Die Boyneburg“) ist.

 

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Abschrift der Urkunde von 1188 durch Günther Schulze (1920-2007)

Über den eigentlichen Ursprung des Ortes kann man nur Vermutungen anstellen. Die Endung auf –rode zeigt in eine Zeit zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert 5. In dieser Siedlungsperiode sind alle bekannten Ortschaften mit der Endung –rode entstanden. Bei der Bestimmung und Deutung eines Ortsnamens geht man sehr oft auf den Gründer oder Stifter zurück. Ein „Dato“ oder „Tatto“ erscheint jedoch in keiner überlieferten Urkunde aus dieser Zeit. Der wahrscheinlichere Weg scheint in der zwangsweisen Besiedlung durch die Franken zu liegen. Alfred Schulze hat bereits darauf hingewiesen, dass das Gebiet um die Boyneburg, ja sogar um Sontra und den Ringgau, königliches, so genanntes Königssundern, war 6. Ferner nimmt er an, dass beim den heutigen Gut Datterpfeife ein Bifang, also ein großes Weidegut, angelegt worden ist 7. Auch die Wüstung Windorf, der Weinberg (die Namen sind von win = Weide abgeleitet und nicht von Wein) sowie die „Söse“ zeige auf einen weidewirtschaftlichen Ursprung hin.

Schon Landau hat auf die Ansiedlungen von Slawen in unserer Gegend einschließlich Thüringen hingewiesen 8. Weitere Beweise erbrachte K. A. Eckhardt 9. Die Werralandschaft um Eschwege wurde früher bereits „Wendische Mark“ genannt, und der „Wendische Markt“ in Eschwege zeigt noch heute seinen zentralen Handelsplatz für die in unserem Gebiet ansässigen Wenden an.

Zum Ortsnamen wurden folgende Überlegungen angestellt: Ein Teil eines wendischen Volksstammes wurde die Tattern genannt. Vermutlich sind aus diesem Stamm Menschen unter Karl dem Großen oder einem seiner Nachfolger in der Nähe der Boyneburg angesiedelt worden. Datterpfeiffe (Bifang der Tattern) und Datterode (Rodung der Tattern) sind uns bis heute überliefert. Als in späterer Zeit wieder Menschen aus dem Osten kamen, zwischenzeitlich einmal „Zigeuner“ genannt, wurden diese in der Werragegend Datel oder Tatell bzw. im östlichen Deutschland Datter oder Tatter genannt 10. Die Erinnerung an die Namen unserer Ortsgründer war ja noch im Gedächtnis und überliefert.

Ein weiterer Anhaltspunkt ergibt sich in der Genealogie. Die ältesten bekannten Familiennamen, sowohl der Ober- als auch der Untermühle, waren die Wieditz 11. Dieser Name ist auch heute noch stark im Ort vertreten. Kaum eine „alteingesessene Familie“ hat keinen „Wieditz“ im Stammbaum. Die Endsilbe des Namens –itz zeigt eindeutig seine wendische Herkunft an 12.

Sicherer ist die "Namensgebung"
durch Anlehnung an eine reale Person. Im Anhang des "Etymologischen Ortsnamen-Lexikons" über altdeutsche Personennamen in kurhessischen und waldeckischen Ortsnamen von Friedrich Suck, 2. Folge (Heimatbrief 3/2005 des Zwehrener Heimatverein e. V. m. w. N.) finden wir im 6. Jahrhundert einen "DATTO", mit den Variationen "DADO" und "TADO" als Namensgeber für Datterode. Mithin hatte dieser Datto hier Ländereien o. ä., deren Siedlung nach ihm benannt wurde.

Die bekannten Herren Datterodes waren Johann von Meimbressen 1353 und Herman von Eschwege 1383. Den Besitz des Klosters Northeim in Datterode erkauften die von Boyneburg 1408 13. Kirchenpatron war 1442 der von Hessen belehnte Johann von Boyneburg. 1522 präsentierte Hessen dem Offizial zu Eisenach einen Geistlichen (zugehörig dem Archidiakonat Dorla) für die Pfarrei (zur Geschichte der Kirche vgl. „Die Kirche“). Dr. Conrad Sehrendeisen folgte als Herr von Datterode von 1501-1521. Ihm folgte Werner von Trott zu Solz, der den Ort als hessisches Lehen von 1522-1576 innehatte. Simon Bing schloss sich von 1576-1581, Anton von Wersabe von 1582-1594 an, bevor Craft Melchior von Madelung 1596 bis etwa 1615 Lehnsherr war 14. Seit Bing und bis von Madelung war auch die Pastorei zu Lehen, die seitdem landgräfliches Patronat darstellte 15.

Datterode war das einzige altlandgräfliche Dorf des Justizamtes Netra. Ab 1550 mehrte sich die Zahl der Bewohner durch neue Bauten um 30 Familien, so dass es im Jahre 1578 70 Bauern und 30 Köthner 16 zählte. Eine Zahl, die sich später jedoch wieder verminderte.

Nach dem Tod des von Madelung wurde der Ort dem Gericht Bilstein zugeschlagen und kam später zum Amt Eschwege. Auch der Besitz des Klosters Germerode war nach dessen Auflösung an die Pfarrei gefallen. Als einzige adelige Familie hatten die von Boyneburg-Wichmannshausen drei Zinshöfe im Ort. Dazu gehörte auch die Untermühle („Ingermell’n“), deren Müller bereits 1437 genannt wird. Von der Obermühle („Äwwermell’n“) hören wir um 1570, während die Schlagmühle („Schlomell’n“) erst um 1700 entstanden sein dürfte.

Eine Aufwärtsentwicklung dürfte erst mit dem Ausbau der Leipziger Heerstraße erfolgt sein. Insbesondere mit der Verlegung der alten Handelsstraße von Thüringen nach Hessen 1583. In diesem Jahr ließ Landgraf Wilhelm IV. (der Weise) die Zollstelle von Ulfen nach Datterode verlegen, so dass der größte Teil des Ost-West-Verkehrs über die Straße durch Datterode rollte.

Im Jahre 1585 zählte man 70 Haushaltungen 17. In der „Spezialbeschreibung über die Dorfschaft Datterode – Amts Eschwege“ von 1745 werden 373 Bewohner und Bewohnerinnen aufgeführt, die in 87 Häusern wohnen. Davon christlicher Konfession 90 Männer, 94 Frauen, 82 Söhne, 86 Töchter, 2 Knechte und 12 Mägde und jüdischen Glaubens 2 Männer, 2 Frauen, 1 Sohn und 1 Tochter 18. 1747 waren es 86 Haushaltungen 19; 1841 zählte man 84 Häuser und 573 Einwohner; 1895 waren es 664 Einwohner.

Die wichtige Heerstraße, die durch den Ort führte, brachte es mit sich, dass in Kriegsjahren fremde und einheimische Heere die Einwohner hart bedrängten. Insbesondere der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hinterließ im Dorf seine Spuren. Das Pfarrhaus und viele Häuser wurden im Schreckensjahr 1637 (andere Quelle 1635) von den Kroaten unter Isolani 20 niedergebrannt, die Kirche geplündert. Die überlebenden Bewohner mussten in den nahen Wäldern Schutz suchen. Von diesem Rückschlag erholten sich die Bewohner lange Zeit nicht. Armut und Not beherrschten die Gegend. Auch im Siebenjährigen Krieg (1756-1763, auch „Dritter Schlesischer Krieg“ genannt) und im napoleonischer Krieg einschließlich Befreiungskrieg (1804-1813) litt die Bevölkerung nachhaltig. Interessant, dass im heutigen Sprachschatz immer noch ein paar „französische Brocken“ vorhanden sind! 1895 hatte das Dorf 664 und 1925 749 Einwohner.

Durch den Bau der Eisenbahn Bebra-Göttingen und die Errichtung der Kraftpostlinie Eschwege-Eisenach (1926) wurde ein großer Schritt nach vorn getan.

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Bahnhof Hoheneiche an der Strecke Bebra-Göttingen
in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts.

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Kraftomnibus der Reichspost in den 20er Jahren des letzten
Jahrhunderts; hier Linie Sontra-Bebra

Für die Menschen dieses Raumes stand nun der Weg zu den Arbeitsplätzen in den Industriestandorten offen. Den Lebensunterhalt verdienten sich viele Datteröder u. a. auch in den Ziegeleien an der Elbe, so dass insbesondere in den Raum Stade heute noch verwandtschaftliche Verhältnisse einiger Familien bestehen.

Die Einwohnerzahl stieg von 745 im Jahre 1933 über 762 im Mai 1936 auf 850 im Jahr 1939.

Im Zuge der Kämpfe zum Ende des II. Weltkrieges rollten am 3. April 1945 (Ostersonntag) die ersten US-amerikanischen Truppen über die wichtige Straße durch das Dorf (siehe dazu auch www.super6th.org/603td/index.html und www.lonesentry.com/ccompany/index.html). Von der Einmündung „Kulleich/Leipziger Straße“ aus wurden zwei deutsche Soldaten, die beim Eckerbaum in den Wald flüchten wollten, erschossen. Im Veranstaltungsarchiv 2005 können Sie die Geschichte nachlesen. Eine Ursache, dass auf die flüchtenden Soldaten geschossen wurde, kann auch in einem Vorfall bei Mitterode in der Nacht zuvor liegen, als ein auf Wache stehender US-Soldat des 259. Infanterieregiments der 65. Infanteriedivision aus dem Hinterhalt getötet und tot in einem Fuchsloch gefunden wurde (http://www.uiaa.org/illinois/veterans/display_veteran.asp?id=941). Laut den Quellen wurde dann auf dem Weg des dem Tross der Truppen vorausgehenden Stoßtrupps (am 3. April die Taskforce 50) auf alle in die Berge und Wälder fliehenden deutschen Soldaten geschossen.

Nach Ende des Krieges fehlten 70 Männer aus Datterode. Sie waren im II. Weltkrieg gefallen oder galten als vermisst. Einige starben aufgrund des Krieges oder der Gefangenschaft in unmittelbarer zeitlicher Folge. Durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen im Dorf erreichte die Einwohnerzahl zum 1. Januar 1949 die stattliche Zahl von 1098 (841 alteingesessene Bürger, 229 Flüchtlinge und 28 Evakuierte deutscher Großstädte). Die Häuserzahl lag bei 158. Nachdem Evakuierte in ihre Heimatstädte zurückgegangen waren und einige Heimatvertriebene den Wohnort gewechselt hatten, konsolidierte sich die Einwohnerzahl um die 1000.

 

 

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Postbus der Linie Eschwege-Netra 1947 vor dem Eschweger Postamt
aus Anlass des 25jährigen Bestehens der Kraftpost festlich geschmückt

Durch die innerdeutsche Grenze dem von alters her wichtigen Hinterland in Thüringen mit der Stadt Eisenach beraubt, trat die wichtige Verkehrsader, die „alte Leipziger Straße“, in ihrer Bedeutung in den Hintergrund. Kompensiert durch das deutsche Wirtschaftswunder im Allgemeinen, im Besonderen aber auch im unmittelbaren Umfeld des Kreises und des Raumes Kassel entwickelte sich ein gewisser Wohlstand der Einwohner. Dazu trugen auch die vielen örtlichen Gewerbebetriebe bei. Die Zonenrandförderung tat ein Übriges. Es wurde geschafft, gebaut und konsumiert.

Die trotz allem gefestigte Dorfgemeinschaft erkannte sehr schnell den Wert des landschaftlich herrlich gelegenen Ortes. Man errichtete 1953 das Ehrenmal und baute 1954 in beispielhafter Eigenleistung als erste Gemeinde im Kreis ein Schwimmbad.

Wappen

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Genehmigung des Wappens der eigenständigen Gemeinde Datterode

Der Aussichtsturm („Berliner Turm“) wurde 1960 gerichtet. Durch gute feriengerechte Infrastruktur lockte man damit immer mehr Feriengäste in den Ort (im Wesentlichen aus Berlin und dem Ruhrgebiet). Die Bewohner, deren Zahl 1960 bei 1003 lag, halfen tatkräftig an der Verschönerung des Dorfbildes mit. Eine erste Auszeichnung der Verschönerung im Dorfbild konnte unser Ort im Jahre 1970 verbuchen. Zunächst staatlich anerkannter Erholungsort, konnte sich Datterode von 1972 bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts staatlich anerkannter Luftkurort nennen.

Im Zuge der Gebietsreform im Lande Hessen vereinigten sich Röhrda und Datterode am 1. April 1972 zur Gemeinde Netratal. Über Zusammenschlussmöglichkeiten z. B. mit Kommunen der heutigen Gemeinde Wehretal wurde man sich nicht einig, und der Gemeinde Ringgau wollte man sich unter gar keinen Umständen anschließen.

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Kirmeswagen des Gemeindevorstandes 1971 „Gebietsreform
war eine Qual –
Geboren wurde Netratal“

Nur zwei Jahre existierte die Gemeinde Netratal. Zum 1. Januar 1974 wurde dann die kleine Kommune im Zuge der Verwaltungsreform in die bereits bestehende Gemeinde Ringgau 21 eingemeindet. Damit endete die Jahrhunderte währende Selbstständigkeit endgültig.

1976 erhielt der Bürgermeister Datterodes eine Ehrenurkunde und ein Geldgeschenk des Landes für den zweiten Platz im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Nach dem Sieg der Gebiets- und Bezirksentscheide eine hohe Auszeichnung für den inzwischen durch Tourismus bekannten Flecken (1975 zählte man 18310 Feriengäste – 10672 waren es noch im Jahre1968) und seine zu diesem Zeitpunkt 1123 Einwohner, deren Zahl sich von 1065 im Jahre 1970 prächtig entwickelt hatte. In den folgenden Jahren erreichte Datterode noch einmal den 1. Platz im Bezirksentscheid des Wettbewerbs

Die Einwohnerzahl sank auf 1120 im Jahre 1987.

Die für viele Deutsche nicht mehr für möglich gehaltene Grenzöffnung 1989 und die folgende Wiedervereinigung Deutschlands eröffnet Datterode eigentlich wieder neue Möglichkeiten und Orientierung. Man hat wieder Hinterland im Osten, dem einst so wichtigen Thüringer Land. Doch der Wegfall der Zonenrandförderung und die wirtschaftliche Gesamtsituation brachten noch keinen durchgreifenden Erfolg. Die ehemals so wichtige „Leipziger Straße“, die Bundesstraße 7, die mitten durch den Ort führt, gibt keine Impulse. Im Gegenteil, zunehmender Straßenverkehr, aber auch die finanzielle Not der Gemeinde Ringgau führten dazu, dass das Prädikat „Luftkurort“ aktuell keine Gültigkeit mehr besitzt.

Freizeiteinrichtungen wie Minigolf und Grillhütte sowie ein Bürgerhaus mit Kegelbahn sind jedoch Beispiele aus dem attraktiven Erholungsangebot der Gemeinde. Auf den etwa hundert Kilometer ausgebauten Wanderwegen in die bis zum Ort reichenden Wälder und Berge begegnen uns viele Orchideenarten, Versteinerungen im Muschelkalk und die doch sonst schon recht selten gewordenen Greifvögel. Nicht zuletzt sorgen ein ansprechendes Landhotel, der „Fasenhof“, sowie Pensionen und Privatzimmer für das leibliche Wohl der Besucher, deren Zahl allerdings in den letzten Jahren zurückging. Ein Ergebnis des zunehmenden Ferntourismus. Wer aber Ruhe und Erholung in einer naturnahen Landschaft herbeisehnt, ein lebendiges Dorf mit einem regen Vereinsleben sucht, ist hier richtig. Ein Blick in die Vergangenheit eröffnet sich dem Besucher im kleinen aber feinen Museum des Heimatvereins oder beim Zuschauen im Backhaus am Anger, das vom Heimatverein im Jahre 2002 nach altem Vorbild an historischer Stätte erbaut wurde. Frisches Brot aus dem Backhaus – dazu der ortstypische „Lusekuch’n“ – ein kulinarischer Hochgenuss!

Hatte die Einwohnerzahl 1998 1090 betragen, so lag sie zum Ende des Jahres 2005 bei 1041. Nicht nur ein mahnendes Zeichen des demografischen Wandels, sondern auch der Schwierigkeiten einer fehlenden, nachhaltigen und positiven wirtschaftlichen Entwicklung unserer Region. Die Entwicklung der Einwohnerzahlen sehen Sie hier: Die politische Gemeinde Ringgau

Schauen Sie doch einmal bei uns rein! Überzeugen Sie sich, lieber Leser, liebe Leserin, von unserem schönen Datterode!


1. Dr. Herbert Gehlsdorf, Landschaft und Besiedlung im Ringgaugebiet, Johs. Braun Verlag, Eschwege, 1926, m. w. N.

2. Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae/namens des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, Register I, bearbeitet und hrsg. von Otto Dobenecker 1896 (von ca. 500-1152) Jena: Fischer.

3. Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae/namens des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, Register II, bearbeitet und hrsg. von Otto Dobenecker 1900 (von 1152-1227) Jena: Fischer.

4. Johannes Schultze (Hg.): Klöster, Stifter und Hospitäler der Stadt Kassel und Kloster Weißenstein. Regesten und Urkunden, Marburg 1913, Nr. 207

5. W. Arnold, Ansiedlungen und Wanderungen Deutscher Stämme, 1875, S. 439 ff

6. Alfred Schulze, „Der Ringgau und Sontra“ in „Das Werraland“, 1967

7. Alfred Schulze,  „Die Boyneburg“ in „Das Werraland“, 1967

8. Georg Landau, Die Territorien in Bezug auf ihre Bildung und ihre Entwicklung - Hamburg: Perthes, 1854

9. Karl August Eckhardt, „Eschwege als Brennpunkt thüringisch-hessischer Geschichte“, 1964

10.  A. F. C. Vilmar, „Idiotikon von Kurhessen“, Marburg, Leipzig, Elwert, 1868

11. Genealogieregister Datterode 17 e, Staatsarchiv Marburg

12. Zu den Quellen und Aussagen vgl. auch Herbert Lamprecht, im Vorwort seiner Abschrift zur Ortsbeschreibung von Datterode 1754, Eigenverlag, 1975

13. Die Klöster der Landschaft an der Werra. Regesten und Urkunden, bearbeitet v. A. Huyskens, 1916, Nr. 1368

14. Generalrepertorium der Urkunden Datterode und Lehenrevers

15. C. W. H. Hochuth, „Statistik der evangelischen Kirche im Regierungsbezirk Cassel“, Cassel 1872, Nr. 297

16. Köthner = ein Dorfbewohner mit kleinem Landbesitz und Wohnhaus, der auf Lohnarbeit (in erster Linie Landarbeit) angewiesen ist

17. Oekonomischer Staat des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen 1585

18. Siehe Ortsbeschreibung von 1745

19. Stadt- und Dorfbuch des Ober- und Niederfürstentums Hessen

20. Isolani, Giovan Lodovico (1580 oder 1586 - 1640) "Oberster Kommandant alles kaiserlichen Kriegsvolks zu Ross Kroatischer Nation und leichter Pferde" so der offizielle Titel des Freiherrn von Isolani, der später zum Reitergeneral einer Hilfstruppe im kaiserlichen Heer ernannt wurde, einer Horde von privilegierten, berittenen kroatischen Mördern, Räubern und Pyromanen. Isolani war in das Attentat auf Wallenstein eingeweiht (siehe www.koni.onlinehome.de/kurzbiographien/isolani-frames.htm).

21. Siehe unter „Unser Dorf“ – „Geschichte“ – „Der Ringgau“