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Neues vom Gotteshaus

Wiedereinweihungsfeier am 25. September 2016 – Außergewöhnliches Geschenk vom HVD

Zur Wiedereinweihungsfeier war der HVD-Vorstand geladen. Selbstverständlich nahmen wir die Einladung an. Als Geschenk überreichten Kassenwart und Vorsitzender Frau Pfarrerin Preuschhof etwas Außergewöhnliches. Dazu heißt es im Begleitschreiben, dass „der Heimatverein Datterode e. V. (HVD) zum Abschluss der Arbeiten in der Kirche gratuliert und sich erlaubt, aus diesem Anlass ein Geschenk zu überreichen. Es handelt sich in Anlehnung an Martin Luthers berühmtes Zitat um einen Apfelbaum. Jedoch nicht um irgendeinen Apfelbaum, sondern einen Korbiniansapfel.

Der Apfel ist benannt nach dem katholischen Pfarrer Korbinian Aigner, genannt der Apfelpfarrer. 1885 geboren, fand er nicht nur seinen Weg zur Seelsorge, sondern auch zur Leidenschaft des Obstanbaus. Er starb an einer Lungenentzündung fast auf den Tag genau vor 50 Jahren am 5. Oktober 1966. Er war ein erklärter Gegner des Nationalsozialismus und bezog in seinen Predigten klar Stellung. Das führte dazu, dass er nach einigen Geldstrafen strafversetzt und nach Elsers Attentat auf Hitler und einem Predigtdiskurs zum „Töten eines Despoten“ am 22. November 1939 verhaftet und ins Gefängnis verbracht wurde. Er wurde im Juni 1941 zunächst ins KZ Dachau verlegt, im September ins KZ Sachsenhausen überstellt, bevor er am 3. Oktober 1941 erneut ins KZ Dachau kam. Hier züchtete er heimlich zwischen zwei Baracken Apfelbäume. Und es gelang ihm sogar die Züchtung neuer Sorten, von denen die Sorte „KZ-3“ erhalten blieb.

2011 wurde übrigens von der Chefin der „dOCUMENTA (13)“, Carolyn Christov-Bakargiev, in der Kasseler Karlsaue ein ebensolcher Baum gepflanzt, von Aigners rund 900 Äpfel- und Birnenzeichnungen einige Apfelaquarelle anlässlich der „dOCUMENTA“ im Fridericianum ausgestellt. Und von dieser Sorte übergeben wir Ihnen ein Exemplar in der großen Hoffnung, dass der Baum bei der Kirche in Erinnerung an einen aufrichtigen Gottesmann viele Früchte tragen und Freude aber auch Nachdenken bewirken möge.

Wir werden den Baum sehr gern einpflanzen und hoffen, dass der HVD Ihnen und den Mitgliedern der Kirchengemeinde mit diesem lebendigen Geschenk eine bleibende Freude bereitet.“

 
Vorsitzender und Kasserwart überreichen Frau Preuschhof den Baum - vorab auch schon einen Pack Apfelsaft



Heiko Beck und Wolf-Dieter Lautze pflocken den Baum an - der "Korbinian" steht im Garten des Pfarrhauses

Zum „Korbiniansapfel“ lesen Sie bitte dazu u. a. die Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Korbinian_Aigner und http://www.archiv.tum.de/bestaende/ Am Freitag, den 30. September 2016 wurde das Pflanzversprechen unmittelbar eingelöst. Hoffen wir, dass dieses Geschenk im doppelten Wortsinne viele Früchte tragen möge.


Zur Sanierung
Die Sanierung der Kirche fand mit ihrer Wiedereinweihung am 25. September 2016 ihr vorläufiges Ende. In den rund sechs Jahren der Renovierung und Restaurierung wurde im Kirchenschiff der Fußboden aufgenommen, das darunter „Liegende“ im Bestand denkmalschutzrechtlich gesichert und wieder abgedeckt. Eine Fußbodenheizung soll unter dem neuen Schieferboden für das freskengerechte Klima sorgen. Stufen zum Chorraum/Altar wurden entfernt. Ebenso der Altar selbst und der Ambo („Kanzel“). Durch die Fußbodengestaltung sind die Bänke sind ebenfalls obsolet geworden. Neue Bank-Stühle werden noch angeschafft.


Blick in den Chor

Die Außentreppe (zu Turm und Empore) wurde entfernt, womit auch der Windfang beim Kircheneingang Eingang entfiel. Entsprechend wurde eine gelungene Stahl-Glas-Tür zum Kirchschiff hin eingebaut. Die Empore erreicht man über die nunmehr im hinteren Bereich des Kirchenschiffes eingesetzte Treppe. Die Orgel wurde gereinigt und wie auch das gesamte Holz in der Kirche – einschließlich der „Tonne“ (Decke) – in weißem Ton aufgefrischt und mit Gold abgesetzt. Die Weißtöne sind zunächst ungewohnt, war doch bis dato viel „rot“ verwendet worden, was mit den Fresken korrespondierte, aber u. U. auch überlagerte. Es mag sich eine jede/ein jeder seine eigene Meinung bilden. Insgesamt wirkt das Kircheninnere durch die Farbgebung der Wände und des Holzes sehr ruhig und würdig. Die Empore hat einen Holzfußboden erhalten, die Orgel wurde von der Turmwand räumlich abgesetzt, um den draußen entfallenen Turmzugang durch die uralte Tür hinter dem Musikinstrument wieder zu ermöglichen.


Wiindfang - Turmzugang - Orgel

Die Fresken wurden qualifiziert unter denkmalschutzrechtlicher Begleitung aufgearbeitet. Ihre bereits Anfang der 1960er Jahre erkannte und Schlagzeilen machende besondere Bedeutung kommt mit vielen neuen Details daher. Fantasieergänzungen der letzten großen Sanierung wurden entfernt, wie auch die Intensität der Malereien nunmehr wohl authentischer sein dürfte. Wenn man Fotos vor der Großsanierung in den 1960er Jahren betrachtet, erkennt man, dass auch damals „Weiß“ die vorherrschende Farbe aller Holzeinbauten und der Wände war. Aber wie gesagt, jede/jeder mache sich sein eigenes Bild.


Foto: Hans-Jürgen Leß


Zur Vorgeschichte der Sanierung der Fresken und de
s Kirchturms

Die Fresken
Am 26.10.2009 erhielt der Heimatverein eine E-Mail von Frau Julia Tomiatti. Sie interessiere sich für unsere Kirche, hatte unsere Präsentation im Internet gesehen und fragte nach einer Ausgabe der Dorfchronik, um sich über die Kirche zu informieren. Nach der Kontaktaufnahme schrieb sie u. a., dass sie an der Fachhochschule Hildesheim Restaurierung studieren würde und die Wandmalereien unserer Kirche für sie sehr interessant seien. Nach entsprechenden Kontaktaufnahmen mit der Verwaltung der Landeskirche Kurhessen-Waldeck und den Datteröder Kirchenverantwortlichen teilte Frau Tomiatti dem HVD bereits am 12.11.2009 mit, dass sie und Frau Stefanie Petersen ihre Masterthesis über die Fresken unsere Gotteshauses schreiben würden. In der Folge besuchten die beiden Studentinnen verschiedentlich Datterode, Kirche, Pfarrerin und Kirchenvorstand, trafen sich mit Vertretern der Landeskirche, um die Basis für ihre Arbeit zu schaffen.

 

Dazu erhielten wir am 09.02.2010 von Frau Tomiatti die folgende Information: “Wie sich vermutlich in Datterode rum gesprochen hat, werden Stefanie Petersen und ich unsere Thesis in Ihrer schönen Kirche schreiben und alle Verantwortlichen und Offiziellen stehen hinter uns. Darüber sind wir sehr glücklich und freuen uns auf die nächsten Monate. Wir werden ab dem 15.02.2010 eine Woche in Datterode sein und unsere Arbeiten vorbereiten. Hierzu müssen Fotos und dergleichen gemacht werden, und erste Messungen nehmen wir auch schon vor.

 
 

Natürlich bekamen die beiden Frauen bei ihrem ersten Aufenthalt Besuch von einer Abordnung des Heimatvereins, um die Freude des Vereins auszudrücken. Eine Flasche „Vereinswein“ für den „Feierabend“ wurde überreicht, der die winterliche Kälte in der Kirche mildern sollte.

Frau Tomiatti und Frau Petersen bei der Bestandsaufnahme

Die beiden Damen waren dann über Monate immer wieder hier, um den Bestand und den Zustand der Fresken unserer Kirche aufzunehmen. Viele neue Erkenntnisse wurden zu den Malereien gewonnen. Nicht nur der beklagenswerte Zustand, sondern auch die Tatsache, dass die seinerzeitige Restaurierung der Bilder nach heutigem wissenschaftlichen Standard leider eher zur Verschlechterung als zur Verbesserung beigetragen hat. Ein Teilbereich wurde von den Studentinnen beispielgebend im Rahmen ihrer Masterarbeit fachgerecht restauriert.

 Die Damen bei der beispielgebenden Restaurierung einzelner Elemente

Viele Details arbeiteten die Studentinnen heraus und teils verborgene Kleinode wurden sichtbar, die einige Fresken im wahrsten Wortsinne in einem anderen Licht erscheinen lassen. Es wurde aber auch deutlich, dass die ins Mauerwerk eindringende Feuchtigkeit, insbesondere am Treppenanbau dem Zustand der einzigartigen Malereien sehr abträglich ist. Gerade der großartige Weltenrichter, der „Datteröder Jesus“ der Mandorla neben dem Emporenzugang leidet mächtig.

Die beiden Studentinnen vor dem „Datteröder Jesus“

Am 05.07.2010 war es dann soweit. Die Masterthesis mit dem Titel „Die evangelische Pfarrkirche Datterode – Konservierungs- und Restaurierungskonzept für Wandmalereien – Möglichkeiten der Kaseinreduzierung – Möglichkeiten der Hohlstellenhinterfüllung“ war erstellt. Auf 245 Seiten und in neun Anhängen stellen die Verfasserinnen die Geschichte, die Detailbetrachtungen und letztlich einen Maßnahmenkatalog mit Zeitplan zur Restaurierung der Fresken dar. Eine einzigartige Basis, die wertvollen Zeugen der Vergangenheit und vor allem des Glaubens vor dem Verfall zu retten. Sicherlich eine Herkulesaufgabe in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und leerer Kassen. Der Heimatverein hofft sehr, dass es trotz aller Schwierigkeiten gelingen wird, die herausragenden Fresken in unserem Gotteshaus für die Nachwelt zu erhalten.
Es war Ehrensache, den Studentinnen zum erfolgreichen Abschluss des Studiums mittels der Masterthesis über die Fresken der Kirche zu Datterode zu gratulieren und von ihnen auch ein Exemplar ihrer Thesis zu erwerben. Dies fand in unserem Museum statt.

Stefanie Petersen (links) und Julia Tomiatti präsentieren ihre Masterthesis im Museum 

Der Kirchturm
Die Kirchengemeinde hat Baumaßnahmen geplant, die sich in verschiedene Bauabschnitte unterteilen. Ein Abschnitt ist die seit Jahren notwendige Restauration des Kirchturmes. Ende September 2010 war es soweit, die Mauersegler hatten ihr Quartier im Kirchturm Richtung Süden verlassen, die Nestlinge des Turmfalken waren flügge geworden, der Turm wurde eingerüstet, und die Arbeit konnte beginnen.

Das Gerüst steht am Turm - die Balken werden geborgen

Zunächst wurde das Mauerwerk gesäubert und ausgebessert. Die zwei Bruthöhlen der Mauersegler („Vogel des Jahres 2003“ – vgl. http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2003-dermauersegler/) an der Südseite des Mauerwerks konnten nach Information der Bauarbeiter durch den Heimatverein erhalten werden. Leider sind die Brutflächen der wundervollen Vögeln auf dem Mauergesims nach der Renovierung nicht mehr zugänglich. Es wäre sehr traurig, wenn die Koloniebrüter nach ihrem langen Flug aus dem südlichen Afrika keine Nistmöglichkeiten mehr vorfänden und abwandern würden. Die alte Brutkiste unseres Turmfalken („Vogel des Jahres 2007“ – vgl. http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/vogeldesjahres/2007-turmfalke/) wurde durch eine neue, jedoch schwer anzunehmende, ersetzt. Es bleibt zu hoffen, dass das Falkenpaar die neuen Gegebenheiten annehmen wird und uns mit seinem Nachwuchs erhalten bleibt. Durch den Heimatverein wurde die neue Kiste nach einem Ortstermin mit einem Vertreter der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (http://www.hgon.de/) nachgearbeitet sowie eine Nistkiste für Mauersegler in das östliche Schallloch installiert.

 

Leider traf das nicht auf die Gegenliebe der Kirchenverantwortlichen, die im Rahmen der „Schallverbesserung“ des neuen Geläuts die Nistkiste für die Mauersegler wieder entfernten. Zwischenzeitlich konnte unter Einschaltung der „Unteren Naturschutzbehörde“ erreicht werden, dass Nistkästen für die Mauersegler installiert werden. Auf die angebotene Mithilfe des HVD und des amtlich bestellten Vogelschutzwartes wurde verzichtet! Ein sehr zäher Kampf des HVD mit allerlei Schriftverkehr. Die gotischen Spitzbogenfenster der Turmsüdseite wurde im Übrigen verglast sowie Fliegengitter hinter die Lamellen der Schalllöcher angebracht! Diese unverständlichen Maßnahmen sind ein Beleg, dass ein „kotfreier“ Kirchturm scheinbar wichtiger ist, als die Fürsorge für Teile der Schöpfung – insbesondere von artengeschützten Fledermäusen und turmbrütenden Vögeln, die Hunderte von Jahren niemanden störten.

 
 

Über Wochen waren zuvor die Zimmerleute daran, die Turmhaube zu erneuern. Wie so oft, stellte man erst nach der Freilegung den teils sehr maroden Zustand der alten Balken fest. So mussten diese zum Teil ausgetauscht werden.

Links: Maroder Balken in Nahaufnahme; rechts: Turmspitze

Die Turmzier wurde abgenommen und die Kugel aufgebrochen. Was an Unterlagen und Beigaben bei der letzten Renovierung 1949 eingebracht worden war, wurde vom Kirchenvorstand gesichtet (sofern einmal veröffentlicht werden sollte, was enthalten war, wird nachberichtet). Auch die Balkenspitze der Turmzier war vom Zahn der Zeit gezeichnet.

Alte Turmzier links; rechts Balkenspitze nach Entfernen der Turmzier

Sodann wurde die neue Turmhaube aufgebaut. Sie erhielt wieder eine geschwungene Form („Bischofsmütze“), wie sie in ähnlicher Form schon einmal vorhanden war. Die neue Turmzier – hergestellt von der Schlosserei Rabe, Röhrda – zeigt auf der Wetterfahne die Jahre der letzten Restaurierungen, also 1949 und 2010, sowie den Satz „Kommt her zu mir!“. In die Kugel wurde der Bestand von 1949 ebenso eingebracht, wie neue Informationen und Beigaben des aktuellen Kirchenvorstandes und der örtlichen Zeitgeschichte (genaue Informationen sind leider nicht bekannt). Das Eindecken und Verkleiden mit schwarzen Schiefertafeln ist gegenüber der seitherigen roten Ziegelfarbgebung sehr gewöhnungsbedürftig, letztlich auch, weil erst vor einigen Jahren die ehemalige schwarze Eindeckung des Kirchenschiffes mit roten Ziegeln eingedeckt wurde. Das südliche Schallloch wurde mit einer Bundsandsteinsäule ergänzt. Kupferne Abschlüsse an den Dachkanten und die neue Dachrinnen runden die Restaurierung ab. Pünktlich zum Weihnachtsfest 2010 zeigte sich der Kirchturm in neuem Glanz.

Die neue Turmzier - Der sanierte Kirchturm

Ein neuer Treppenaufgang macht den Turm zum Begehen wieder sicherer. Das alte Schlagwerk verbleibt im Turm; Geld zur Wiederherstellung des Zeitanzeigers ist leider trotz der großen Spendenbereitschaft im Dorf nicht vorhanden.

Das alte Schlagwerk

Der nächste Bauabschnitt wird das Ziel haben, den schadensträchtigen Vorbau, der viel Schuld an der Mauerfeuchtigkeit trägt, abzureißen. Der Zugang zur Empore soll dann im Kirchschiff durch eine neue Treppe ermöglicht werden. Die Außentür des Turmes vom Vorbau aus wird ebenfalls verschwinden und der Turmzugang wieder durch die historische Tür hinter der Orgel erfolgen. Die Orgel soll im Übrigen auch abgebaut und gereinigt werden.

 

Zur seitherigen Baugeschichte unserer Kirche siehe "Das Gotteshaus"

 
 

Im Rahmen der Baumaßnahmen wurden auch Schäden an einer Glocke festgestellt. Das hieß, auch eine neue Glocke musste finanziert werden, um sie im Rahmen der Bauarbeiten gleich mit einzubringen und bei der Gelegenheit die beiden anderen Glocken mit neuen Klöppeln zu versehen sowie ein neues Glockengestühl zu installieren. Mit großzügigen Spenden aus dem Dorf und darüber hinaus wurde auch diese Hürde genommen. Dazu lesen sie bitte unter "Die Glocken".