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Die Datteröder Mundart – „unse Bladd“

In Dadderode hann freh’r su zeemlich alle unse Bladd geschwadzd. Hidd z’Doache äs dos seld’n worrn. Viellichde kamme äwwer uff dissem Wäche su’n bischen wos erhaale. Dos uff z’schriebe, su dass m’s läse und eu geschbreche kann, äs goar nid su einfach. Manches mo kamme eu äwwer die Üsschbroache g’striede. Un eu bie d’r Schriftform mussme emmer wedder äwwerleie. Hahl me mo fesde, dass es de „harten Konsonanten“ in unsrer Mündoard schwer hann. Dos kunnd de schunn in dissen boar Zeilen gemerge. Ech han me gedaochd, ech schrieb’s su uff, wie m’es geschbreche kann, alsu, känne figeliensche Lüdschrift. Me hann veer, äwwer de Zied henn, su’ne Oard Lexikon ungen drone z’ mache. Dos düürd än bischen, äwwer s’werd beschdimmd änne gude Sach’n. Am Oanfang erschde mo wos üss d’r Schbroachwessenschaft. Derch d’ Geschichd’n vunn unsrer Gächend hädd me schunn veer langer Zied fesdg’schdaald, däss unse Bladd än Deil d’r Diringer Mündoard äs. Su schriebed än Schbroachwessenschaftler, Dr. L. Hertel, in simm Buch „Thüringer Sprachschatz“ 1895
inger Ziffer 4 1 (S. 20 f) :

„Etwas einfacher als im Süden gestalten sich die Verhältnisse im Westen. Indessen hat der Umstand, dass größere Gebiete, die einst zu Thüringen gehörten, infolge politischer Ereignisse vom Stammlande losgerissen und zu der Landgrafschaft, später dem Kurfürstentum Hessen geschlagen wurden, das thüringische Stammesgefühl, welches ja anderwärts noch lebendig ist, zum großen Teil ausgerottet, wie denn das geschichtliche Gedächtnis unserer Bauernbevölkerung kaum hundert Jahre zurückreicht. So erklärt es sich, dass man westlich der Werra weithin die Sprache der Einheimischen als „hessisch“ bezeichnen hört, die unter der Lupe des Sprachforschers sich unzweifelhaft als thüringisch erweist.
Das Kennzeichen des hessischen Dialekts ist die Erhaltung des alten p im Anlaut nach niederdeutschem Muster, wohingegen der Thüringer, wie schon oben berührt, die Tenuis in die Affricata pf, bez. Die Spirans f wandelt. Also
Hessisch: Paerd Thüringisch: Pfaerd, Faerd
Hessisch: plücken Thüringisch: pflücke(n), flücke(n)

Die Umwandlung des inlautenden d zu r im Strenghessischen ist auf ein zu enges Gebiet beschränkt, als dass an dieser Stelle darauf Rücksicht genommen werden könnte.
Die Sprachgrenze zieht sich sonach von Oberzell bei Vacha, wo sie die Werra vrlässt, nördlich bei der Hohen Warte – vermutlich einr alten thüringischen Grenzbefestigung – vorüber, an der heutigen preußisch (hessisch)-weimarischen Grenze entlang, doch Schwenge noch Hessen zuweisend, überschreitet die Werra zum anderen Mal bei Dankmarshausen, erklimmt bei Honebach die Wasserscheide zwischen südlicher Ulfe und Suhl, dann das Richelsdorfer Gebirge und den Holstein, überschreitet die Sonter (Sontra) zwischen Sontra und thüringisch Wichmannshausen, hierauf die Wehre zwischen hessisch Waldkappel und thüringisch Bischhausen und deckt schließlich vom Finkenberg und Meißner an bis Hedemünden mit der Wasserscheide zwischen Fulda und Werra.
Innerhalb des thüringischen Sprachgebietes liegen also folgende namhafte Grenzstädte: Berka, Gerstungen, Kreuzburg, Treffurt, Wanfried, Eschwege, Gr.-Almerode, Allendorf-Sooden und Witzenhausen.
Ein sehr beachtenswertes Zeugnis dafür, dass allerdings die Sprachgrenzen noch heutigen Tages einen Rückschluss auf die ehemaligen Gau- bzw. Stammesgrenzen zulassen, liefert die Tatsache, dass die oben gezeichnete Sprachgrenze zusammenfällt mit den uralten Marken des Gaues Eichsfeld bzw. der Germaramarka und des Ringgaues. Die Schriftsprache mag im Kampf mit den Mundarten siegreich vordringen, Mundarten unter einander machen sich den Boden nicht streitig.“

Bie dän uffgezahlden Därfern, die diringisch senn, hädd d’r Verfass’r inger annerm üss unse Gächend uffgeschremm’n: Süß, Wölfterode, Ulfen, Breitau, Weißenborn, Krauthausen, Wichmanshausen, Hoheneiche, Bischhausen, Wipperode (heute: Vierbach), Germerode unn än boar annere üsse’m Meißner. Wemme mo de ufgezahld’n Grensen un disse Därfer betrachd, äs euch Dadderode do drinne. Als hessische Därfer dohinger zaahlt Dr Hertel inger annerem uff: Nentershausen, Weißenhasel, Sontra, Waldkappel un annere meen. Bie dän Ingermündoarden wärd „Ringgauisch“ genaand. Su hamme alsu änne Westdiring’sche Mündoard, med än Influss vunn Südwest- un Nordwestdiringisch (dobie eu Influss d’r Unstruthmündoard un d’r hessisch-diring’schen Äwwergangsmündoard). Su schriebed Dr. Hertel widder 2:

„Der Ringgau steht auf nordthüringischer Lautstufe, er gehört zum Appel-Lande. Die Grenze überschreitet zwischen Eschwege und Treffurt die Werra, umschließt die Südhälfte des Hainich, zieht sich nördlich von den Hart- und Fahnerschen Bergen hin, lässt Erfurt, Weimar und den Ettersberg nördlich, geht über den Riechheimer Berg, über Blakenhain und Lobeda zur Saale; Roda bleibt nördlich, Kahla südlich; im weiteren Verlauf deckt sich die Grenze mit der altenburgisch-reußischen Landesgrenze. Der Norden zeigt reichere Vokalentfaltung in der Nähe von flüssigen Mitlauten als der Süden; er erweicht ferner inlautendes germ. F zu w:
Nordwestthüringisch: Karel, zwelewe
Südthüringisch: Karl, zwelf

Der Plural wird im Nordthüringischen häufig mit –s gebildet: Jungens, Kingerchens. Eine genauere Abgrenzung des Nordthüringischen gegen das Südthüringische nach Ortschaften, sowie eine feinere Sonderung der einzelnen nordthüringischen Mundarten ist zur Zeit noch nicht anhängig und muss einer späteren Betrachtung vorbehalten bleiben. Es können hier nur in großen Strichen die Haupttypen der Nordhälfte einander gegenübergestellt werden.
Hier verdient zunächst die Tatsache nachdrückliche Hervorhebung, dass die Mundart des Ringgaues (zwischen Sonter (Sontra) und Werra) völlig mit der des heutigen nordwestlichen Thüringes übereinstimmt und kein Grund vorliegt, ihn auch sprachlich von dem Stammlande zu trennen, aus dessen politischem Zusammenhang er ja seit dem thüringischen Erbfolgekrieg (1247-1263) gelöst ist…..

Die thüringische Volkssprache kennt nur stimmlose Verlaufslaute (b, g, d). Tönendes s begegnet lediglich in den nördlichen Strichen. r ist meist guttural, vereinzelt, ohne besonders ersichtliche Abgrenzung, auch dental, namentlich in Gebirgsdörfern.

Nach dem Dargelegten nimmt das Thüringische auch mundartlich die Mittelstellung in Deutschland ein. An der konsonantischen wie vokalen Lautverschiebung Oberdeutschlands beteiligt es sich nur teilweise, von der weichen, zerfließenden obersächsischen Mundart entfernt es sich vermöge seiner kräftigen Gutturalen und teueren Bewahrung der Diphtbongen ebenso sehr wie von der mit harten Stimmlauten gesegneten Sprache des derberen Hessen. Berka bei Weimar, wo die Grenzlinien der vier thüringischen Untermundarten sich scheiden, ist der sprachliche Mittelpunkt Deutschlands.

Wie bekannt, ist es für den Rennsteigwanderer ein bedeutsames Ereignis, auf oder dicht neben dem Pfade einem Dreiherren- oder Dreiwappenstein zu begegnen, bei dem die Staatsgebiete dreier Fürsten aneinandergrenzen. Im Bereiche der thüringischen Mundart ließen sich nach diesem Muster ideale „Dreizungensteine“ an denjenigen Punkten errichten, wo die Sprachgebiete dreier Stämme sich berühren.“

D’ Sdein, där verr uns ind’r’saand ess, äs där uff d’r Hüsfirsden bie Witzenhüsen. Nooch Nord’n äs ees „Niederdeutsch-Göttingisch“, nooch Osd’n un Südosd’n äs ees Diring’sch (Eichsfeld un d’r Ringgau) un nooch Südwesd’n „Hessisch“.

Suwied z’r Wessenschaft. Subaald me Zied hann, wärme he ingen drunger mo än boar Beispiele uffschriebe. Viellichde kamme eu nach än Don drunger leie, su dassme s eu gehorche kann.

Su lange dos nach nid suwied äss, he mo änne Kleinigkeit:

Hingern Breddern soas d’r Koad’r,
machd Deoad’r,
kimmd d’r Foad’r,
schlöd’n Koad’r,
machd d’r Koad’r nach meen Deoad’r!

Oder eu:

Hänner, Schlawänner, schloos Huhn duud,
äs ledd kenne Ei’r un frisst din Bruud!

Nu sall’s erschdemo schigge. Wummo gügge, äb me demmnächsd widder mach’n. Machd’s gud  un
Schwadzd eu mo wedder änne Schnüd’n Bladd –
sunnsd äss ees anne!

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1 Dr. L. Hertel, Thüringer Sprachschatz, Sammlung mundartlicher Ausdrücke aus Thüringen nebst Einleitung, Sprachkarte und Sprachproben 1895; unveränderter Neudruck Sändig Reprint Verlag Hans R. Wohlwend, Vaduz/Liechtenstein 1985

2 Hertel, a. a. O.